Ausbeutung oder Jobeinstieg?
Nach dem Studium? Praktikum!

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Praktikum oder Jobeinstieg?
 

Aller Anfang ist schwer. Auch in Zeiten des Fachkräftemangels sind ein Studienabschluss und eine passende Stellenausschreibung noch kein Garant für den ersten Job. Als Bewerber bleiben Ihnen zumeist zwei Möglichkeiten: Geduld und weiterbewerben oder sich nach einer anderen Möglichkeit des Jobeinstiegs umsehen. Vielleicht ein Praktikum? Aber nicht nach dem Studium! Oder doch?

Praktika haben oft den Ruf, die jungen Mitarbeiter nur auszubeuten und als billige Arbeitskräfte zu nutzen – vor allem nach dem Studium. Was während des Studiums absolut empfehlenswert ist, wird danach schnell zur unerwünschten Tätigkeit. Nach sechs bis 10 Semestern an Hochschulen sollten Sie in ausreichendem Maße für den Beruf qualifiziert sein. Das beinhaltet auch, dass Sie erste Einblicke in die Arbeitswelt erhalten, Businesskontakte geknüpft und Ihre Kenntnisse in einer bestimmten Fachrichtung vertieft haben. Dafür sind Praktika notwendig. Nach dem Studium sollten Sie als vollwertige Arbeitskraft den Unternehmen zur Verfügung stehen und auch entsprechend dafür entlohnt werden. Es gilt die Aussage: „Alles, was Sie nach dem Studium in einem Praktikum lernen, können und sollten Sie schon während des Studiums erlernt haben.“

Was aber tun, wenn Sie keinen Job finden oder mit den erlernten Fähigkeiten nicht direkt für die von Ihnen gewünschte Stelle passend sind? Ein Praktikum kann dann sozusagen als Quereinstieg eine Möglichkeit sein, um sich neu zu orientieren. Vielleicht ist es Ihnen möglich, die sechs Monate des Praktikums als Probezeit in dem Unternehmen zu absolvieren und somit Ihre Fähigkeit für die Position unter Beweis zu stellen.

Oft ist die Bezahlung für Praktikanten eher unterdurchschnittlich – und dass obwohl viele Unternehmen sich selbst für Praktika Bewerber mit etwas Berufserfahrung wünschen. Wichtig für Sie zu wissen: Werden Sie wie ein regulärer Arbeitnehmer eingesetzt, müssen sie auch entsprechend entlohnt werden. Wenn das Praktikum nicht überwiegend der Ausbildung dient, ist eine Geringbezahlung sittenwidrig (Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg in Stuttgart - Aktenzeichen: 5 Sa 45/07). Glücklicherweise erhalten Sie bei einigen größeren Unternehmen aber bereits Gehälter, von denen Sie einigermaßen leben können.

„Finanziell über ein Praktikum glücklich zu werden, ist eher unwahrscheinlich“, sagt Gregor Fabian vom HIS (Hochschulinformationssystem) in einem Interview. Wichtiger sei der Inhalt der Tätigkeit. „Wenn es tatsächlich eine Möglichkeit gibt, wo man inhaltlich an das anknüpfen kann, was man im Studium schon begonnen hat, dann ist das natürlich angesagt.“

Idealer Zeitpunkt nach dem Studium

Wer nach seinem Bachelor-Studium noch auf den Beginn seines Master-Studiums wartet, der sollte sich auf jeden Fall dann um ein Praktikum bemühen. Der ideale Zeitpunkt, denn in gewisser Weise sind Sie noch Student. Auch wenn der Bachelor als berufsqualifizierender Abschluss gilt.

Wenn Sie sich für ein Praktikum nach Ihrem Studium entscheiden, dann bemühen Sie sich, dass es bei dem einen bleibt. Warum? Personaler sehen in einer großen Anzahl an Praktika nach Beendigung des Studiums eher eine Unentschlossenheit der Bewerbern. Es scheint Ihnen etwas zu fehlen. Sie fühlen sich anscheinend noch nicht reif genug für den Arbeitsmarkt. So die Einschätzung der Arbeitgeber.

Machen Sie also nicht den Fehler und suchen Sie sich ständig neue Praktika, nur weil Sie Angst vor einer Lücke im Lebenslauf haben. Investieren Sie Ihre Zeit besser in eine andere Form der (theoretischen) Weiterbildung und vertiefen Sie Ihre Fachkenntnisse.

Immer wieder wurde und wird sogar von einer ganzen „Generation Praktikum“ gesprochen. Doch das Vorurteil, dass alle Absolventen langfristig in Praktika versauern, trifft nicht zu. Der Direkteinstieg klappt früher als gemeinhin angenommen. Wie der Arbeitsmarktforscher Kolja Briedis vom HIS in einem Artikel auf karrierebibel.de feststellte, sind „mehr als die Hälfte der Absolventen bereits nach einem Jahr nach Abschluss in einem regulären Arbeitsverhältnis.“

Also lohnt es sich eher etwas Geduld zu zeigen, sich weiter zu bewerben und möglicherweise die eigenen Wünsche flexibler zu halten. Vielleicht finden Sie eine Stelle in einem anderen Teil Deutschlands oder eher in kleineren Unternehmen als direkt beim Marktführer?

Doch was tun, wenn sich dennoch kein Erfolg einstellen will? Nutzen Sie unsere Karriere Events oder besuchen Sie Jobmessen. Dort können Sie sich persönlich bei den Personalverantwortlichen vorstellen und umgehen so die Hürde der anonymen Bewerbung. Auf diese Weise können Sie zum einen direkt mit Ihrer Persönlichkeit auftrumpfen und zum anderen ist es äußerst hilfreich, wenn Sie Ansprechpartner aus den Unternehmen kennen, bei denen Sie sich vorstellen.

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