Auslandspraktikum mit AIESEC
Der Blick über den Tellerrand

Ein Auslandspraktikum ist für jeden ein Highlight – und nicht nur ein Pluspunkt im Lebenslauf. Denn neben einer fremden Business-Kultur lernen Studenten auch noch Sprache, Land und Leute kennen. Doch wie organisieren Sie am besten den Praxisaufenthalt? Wir haben Irina Fuchs vom AIESEC-Bundesvorstand gefragt, wie Sie ein Praktikum im Ausland ergattern.

Warum ist es so wichtig, ein Auslandspraktikum zu machen?

In erster Linie erweitere ich dadurch natürlich meinen Horizont. Bei einem AIESEC-Praktikum lerne ich auch immer andere Praktikanten kennen, die aus der ganzen Welt kommen: Wenn jemand nach China geht, trifft er nicht nur Chinesen, sondern hat vielleicht noch einen peruanischen Mitbewohner oder einen mazedonischen Mit-Praktikanten. Mich persönlich hat die Zeit im Ausland gelassener gemacht. Ich weiß einfach, dass ich mich durchschlagen kann, wenn es am Anfang beispielsweise Sprachschwierigkeiten gibt.

Wie ist der Ablauf, wenn ich mich bei AIESEC für ein Praktikum bewerbe?

Erst gehe ich zum Lokalkomitee in der Stadt, in der ich studiere oder studiert habe. Dort nehme ich dann an einem Auswahlverfahren teil. Wie das aussieht, ist von Ort zu Ort unterschiedlich: Manchmal wird nur ein Interview geführt oder man nimmt an einem Assessment-Center teil. Danach stelle ich meine Bewerbung plus Lebenslauf in die AIESEC-Datenbank. Und dann kann ich im Pool schauen, welche Stellen es gibt, die zum meinem Profil passen. Es kommt auch sehr häufig vor, dass auswärtige Lokalkomitees im System suchen, welche Bewerber es gibt, und kommen dann gezielt auf einen zu.

Wie bewerbe ich mich dann auf eine Stelle?

Wenn einem eine Ausschreibung gefällt, drückt man nur noch auf den "Apply"-Knopf und die Daten werden an das entsprechende Lokalkomitee übermittelt. Dieses selektiert vor und schickt die Bewerbung an die Firma raus. Das Unternehmen kann dann entscheiden, ob es noch ein Interview per Telefon oder Skype führen möchte, wenn z. B. Sprachkenntnisse wichtig sind.

Ich kann auch Präferenzen angeben, in welches Land ich möchte?

Natürlich, aber wir raten zu Flexibilität. Es ist natürlich schwieriger, wenn jemand angibt, dass er nach Frankreich und im Bereich Finance arbeiten will. Wenn aber jemand sagt, dass er ins französischsprachige Ausland möchte, ist dies natürlich viel einfacher. Da kanns dann auch nach Kanada oder in den Senegal gehen.

Wie unterstützt AIESEC bei der Praktikumssuche?

Wir helfen dabei, wenn nicht klar ist, was sich hinter einer Jobbeschreibung verbirgt. Wenn man eine Stelle bekommt, unterstützen wir natürlich auch bei der Visa-Beschaffung oder welche Auslandskrankenversicherung gebraucht wird. Das Lokalkomitee im Praktikumsland hilft, eine Wohnung zu finden, holt einen am Flughafen oder Bahnhof ab. Der Umfang der Betreuung ist aber von Land zu Land verschieden: Indien z. B. hat viele Praktikanten, und auch dort arbeiten alle bei AIESEC ehrenamtlich. Manchmal sind 150 Praktikanten gleichzeitig da, dann ist die Betreuung vielleicht nicht so eng.

Wie bereitet AIESEC die Teilnehmer auf das Praktikum vor?

Jeder sollte ein kulturelles Vorbereitungsseminar machen. Es gibt bei einem Praktikum immer Situationen, bei denen ich intuitiv denke: Die machen ja alles falsch hier! Aber eigentlich hat das nur mit der anderen Kultur zu tun. Darauf wollen wir im Seminar vorbereiten und sensibilieren.

Muss ich die Sprache des Landes können, in dem ich mein Praktiukum machen will?

Oft sind vom Arbeitgeber grundlegende Kenntnisse der Landessprache gewünscht, damit man sich auch mit den Kollegen unterhalten kann. Es hängt auch vom Austauschland ab: In China beispielsweise wird höchst selten erwartet, dass ich Chinesisch spreche. In Brasilien kann es dagegen vorkommen, dass ich Portugiesisch oder Spanisch sprechen muss. Aber den meisten Firmen, die über uns eine Stelle vermitteln, reichen gute Englischkenntnisse aus.

Was würden Sie empfehlen, wann man ein Praktikum machen sollte? Im Studium oder beispielsweise zwischen Bachelor und Master?

Wenn es ein fachbezogenes Praktikum ist, lohnt es sich auch ein Urlaubssemester einzulegen. Und natürlich ist es als sinnvoller "Lückenfüller" beziehungsweise zur Orientierung zwischen Bachelor und Master besonders passend. Die Praktika in der Entwicklungszusammenarbeit sind meistens nur auf maximal zwei Monate ausgelegt, das kann ich auch in den Semesterferien machen.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich über AIESEC ein Praktikum machen möchte?

Bei AIESEC zahlt man 350 Euro, da sind aber unter anderem die Kosten für das zweitägige kulturelle Vorbereitungsseminar, ein Rückkehrerseminar und eine Kaution drin, die aber zurückgezahlt werden, wenn der Praktikumsbericht abgegeben wird.

Sind die Praktika vergütet? Wer übernimmt die Reisekosten?

Das ist unterschiedlich. Bei den BWL-Praktika gibt es Lohn, entsprechend der Lebenshaltungskosten des Landes. Aber es gibt auch Modelle, wo man nichts bekommt. Dafür ist aber für die Unterbringung und eine Mahlzeit pro Tag gesorgt. Wir versuchen natürlich, dass der Student nur die Anreise und Rückreise zahlen muss. Macht man ein Praktikum außerhalb Europas, kann man über uns einen Reisekostenzuschuss beim Deutschen Akademischen Austauschdienst beantragen. Viele möchten natürlich noch rumreisen, diese Kosten muss man dann selbst aufbringen.

Über AIESEC

Die "Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales" (AIESEC) ist mit über 800 Lokalkomitees in 110 Ländern die größte internationale Studentenorganisation und wurde 1948 in Stockholm gegründet. Über AIESEC können Studenten sich für Auslandspraktika bewerben oder in den Lokalkomitees mitarbeiten. Weitere Informationen auf der AIESEC-Webseite.

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