Karriere im Supply Chain Management
Mehr als Logistik

Von access Redaktion am 22.11.2016 - 12:27 Uhr

Foto: depositphotos.com / garagestock
Karriere im Supply Chain Management: Logistischer Begriffe und Grafiken auf Computer-Bildschirm.

Ob im Handel oder der Produktion – Supply Chain Manager sind gefragt. Sie optimieren nicht nur Warenströme oder Logistiknetzwerke. In einer zunehmend digitalisierten Welt müssen diese Spezialisten auf immer komplexer werdende Beschaffungsabläufe reagieren. Prof. Dr. Kai Hoberg von der Kühne Logistics University hat mit uns über das spannende Berufsfeld gesprochen.

Prof. Dr. Hoberg, Sie haben u.a. die Karrierepfade von Supply Chain Managern erforscht. Gibt es "den" Supply Chain Manager denn überhaupt?

Das ist eine sehr gute Frage. In einer Untersuchung, die wir zusammen mit dem Beratungsunternehmen McKinsey & Company durchgeführt haben, konnten wir aufzeigen, dass es "den einen" nicht gibt.

Das hat natürlich mit der Schnittstellenfunktion des Supply Chain Managements (SCM) zu tun: SCMler koordinieren nicht nur die verschiedensten Abteilungen innerhalb einer Firma, sondern verbinden das Unternehmen auch mit Kunden und Lieferanten. Daher arbeiten hier Menschen mit den unterschiedlichsten Ausbildungs- und Erfahrungshintergründen.

Speziell bei den Führungskräften haben wir sechs Gruppen basierend auf ihrer vorherigen Berufserfahrung identifiziert: Logistiker stellen mit 34 Prozent die größte der sechs Gruppen dar, sie verbrachten ihre vorherige Karriere hauptsächlich in der Logistik. Die sogenannten Eigengewächse (21 Prozent) arbeiteten sich von Beginn an konsequent im SCM nach oben. Die Quereinsteiger (18 Prozent) hingegen verbrachten die meiste Zeit im Consulting oder Projektmanagement, bevor sie es ins SCM zog.

Die Vertriebler (zwölf Prozent) verfügen über einen ausgeprägten Vertriebshintergrund, währen die Ingenieure die meiste Zeit in der Produktion verbracht haben (neun Prozent). Immerhin noch sechs Prozent der heutigen Supply Chain Führungskräfte sind die meiste Zeit ihrer Karriere als Einkäufer tätig gewesen.

Das bedeutet, dass sich im SCM viele Quereinsteiger mit den unterschiedlichsten Hintergründen tummeln. Meistens verfügen sie aber über vorherige Personalverantwortung, was darauf schließen lässt, dass diese Qualität ein wichtigeres Einstellungskriterium als ein tiefes SCM-Fachwissen für Führungskräfte ist.

Wie kann man sich schon als Studierender fit für Aufgaben im SCM machen?

Prof. Dr. Kai Hoberg erforscht an der KLU u.a. Karrierepfade von Supply Chain Managern.

Am besten sollte man den Fokus schon früh im Studium auf Supply Chain Management richten. Dies kann durch einen speziellen Master-Studiengang oder durch Belegung des "Majors SCM" im Rahmen eines BWL-Studiums geschehen.

Wichtig ist aber auch ein Blick über den Tellerrand, z.B. in Fächer wie Unternehmensführung, Controlling oder Marketing & Sales.

Um den späteren Berufseinstieg zu vereinfachen, sind Praktika in SCM-bezogenen Positionen hilfreich, um bei potentiellen Arbeitgebern mit einem fokussierten Lebenslauf zu punkten.

Auch zu einem Auslandssemester oder -Praktikum rate ich, da es auf die spätere Tätigkeiten in globalen und interkulturellen Teams vorbereiten kann. Verhandlungssichere Englischkenntnisse und IT-Kenntnisse sind für viele SCM-Positionen natürlich ebenfalls unverzichtbar.

Wie finden Absolventen den Einstieg ins Supply Chain Management?

Aus meiner Sicht gibt es hier keine Besonderheiten im Vergleich zu anderen Funktionen. Ein Einstieg ist auch hier über die üblichen Kanäle, wie beispielsweise Stellenanzeigen oder Karriere-Events , und über Trainee-Programme möglich. Ein Praktikum mit SCM-Fokus oder eine entsprechende Master-Arbeit in einem Unternehmen kann ebenfalls als Türoffener dienen und den Bewerbungsprozess erheblich verkürzen.

Welche Soft und Hard Skills sind wichtig?

Diese Frage haben wir kürzlich in einem Experiment mit SCM-Führungskräften untersucht. Die Befragten mussten dabei aus einem fiktiven Bewerberpool die am besten geeigneten Kandidaten für eine Stelle auswählen. Im Durchschnitt waren fundierte SCM-Fachkenntnisse die wichtigsten Skills, kurz gefolgt von analytischen Fähigkeiten. Als drittes Kriterium kristallisierte sich eine gute Sozialkompetenz heraus. Branchenerfahrung und Management Skills waren relativ gesehen eher unwichtig.

Wir haben außerdem zwei verschiedene Typen von Führungskräften mit unterschiedlichen Präferenzen bei der Auswahl von Kandidaten identifiziert: Die "Experten-Jäger" legen extremen Wert auf ausgezeichnete SCM-Fachkenntnisse, während die "Kompetenz-Balancer" Kandidaten präferieren, die ein ausgewogeneres Kompetenzprofil mitbringen. Man sieht also, dass man je nach Vorgesetztem mit unterschiedlichen Stärken punkten kann.

Setzen eher Konzerne Ansätze des SCM ein oder sind hier auch kleinere Unternehmen fit? Wo ist es sinnvoller ein Praktikum zu absolvieren, weil man viel lernt?

Dies lässt sich schwer verallgemeinern. Generell verfügen natürlich globale Großkonzerne über höhere finanzielle Mittel, um ein ganzheitliches und topmodernes SCM aufzubauen.

Aufgrund der Komplexität der Supply Chain ist die Umsetzung jedoch weitaus komplizierter als für kleinere Unternehmen, es gibt mehr Fallstricke und die Implementierung neuer Konzepte und Technologien ist langwieriger. Mittelständler sind hier oft schneller und die Umsetzung ist einfacher durchführbar. Allerdings müssen sie bei der Implementierung stärker auf die damit verbundenen Kosten achten.

In welchen Firmen man als Praktikant mehr lernt, lässt sich unmöglich beantworten. Das kommt ganz auf die Aufgabenstellung, die Position und das Interesse des Praktikanten an.

Was sind zukünftige Herausforderungen für das Supply Chain Management?

Disruptive digitale Technologien werden wesentlich zur Weiterentwicklung des SCMs beitragen. Wir sprechen oft von der Supply Chain 4.0 unter der Nutzung von additiver Fertigung, Analytics und Smart Devices. Es wird spannend werden, denn viele Unternehmen stehen noch ganz am Anfang und müssen überhaupt erst verstehen, welche Technologien für sie in Zukunft wirklich wichtig sein werden.

Besonders herausfordernd ist auch die Abstimmung von Mitarbeitern mit anderen Hintergründen, wie z. B. den Ingenieuren in der Produktion oder den Data Scientists in der Business Intelligence. Erst durch die funktionsübergreifende Zusammenarbeit können Unternehmen die Auswirkungen der neuen Technologien auf die Supply Chain verstehen.

Über Prof. Dr. Kai Hoberg

Prof. Dr. Kai Hoberg ist Professor für Supply Chain und Operations Strategie an der Kühne Logistics University. In seiner Forschung untersucht er, wie man Supply Chains durch die Nutzung empirischer Daten und neuer Technologien optimiert. Zusammen mit einem Team von Doktoranden arbeitet Prof. Dr. Hoberg auch mit Unternehmen wie Procter & Gamble, McKinsey, Zalando, Jungheinrich oder Tchibo zusammen und untersucht, wo neue Supply Chain Ansätze wirklich langfristig Wert schaffen können und wie diese dazu im Detail aussehen sollten.

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