Inside the company: BMW
Das Auto als Schutzengel

Von Eva Fiene am 14.08.2017 - 10:27 Uhr

Foto: depositphotos.com / Olivier26
Interview BMW: Finger drückt auf Button mit der Aufschrift "Future Start"

Droht der Fahrer die Kontrolle über sein Auto zu verlieren, weil es ihm nicht gut geht, fährt der Pkw automatisch rechts ran - eine Zukunftsfantasie? Für die Psychologin und promovierte Ingenieurin Julia Niemann ist das Realität: Bei BMW arbeitet sie mit ihrem Team an den intelligenten Autos der Zukunft.

Sie sind seit 2012 bei BMW beschäftigt. Was hat Sie am Unternehmen gereizt?

Ich muss zugeben, dass ich nicht der klassische Autonarr bin, ich besitze auch gar kein Auto. Aber die Marke BMW fand und finde ich einfach wahnsinnig stark. Das Design, die traditionellen Werte, aber gleichzeitig die große Innovationsfreude – das fasziniert mich.

Damals war ich natürlich auch inhaltlich getrieben. In meiner Dissertation habe ich mich mit Infotainment-Systemen in Fahrzeugen und alternativen Bedienkonzepten beschäftigt. Da hat die Position im Team Mensch-Maschine Interaktion in der BMW Forschung super gepasst. Mich hat es schon sehr gereizt zu überlegen, wie das Cockpit der Zukunft aussehen könnte.

Sie sind jetzt Projektleiterin Fahrermodell im Bereich Vollautomatisiertes Fahren. An welchen Themen arbeiten Sie hier?

Wir beschäftigen uns mit der Fahrerzustandserkennung, das heißt: Wie geht es dem Fahrer, ist er aufmerksam oder ist er müde oder stark gestresst? Hier entwickelt mein Team die Algorithmen, die u.a. für das reibungslose Funktionieren der entsprechenden Assistenz-Systeme gebraucht werden.

Teilweise arbeiten wir dabei an Funktionen mit, die bereits in die Serienentwicklung gegangen sind, wie z. B. der Aufmerksamkeits-Assistent. Sie kennen sicher das Kaffeetassen-Symbol, das im Cockpit aufleuchtet, wenn der Fahrer lange gefahren ist und ihn daran erinnert eine Pause einzulegen. Zum anderen beschäftigen wir uns natürlich mit Themen, die eher Zukunftsmusik sind: Vorstellen könnte man sich beispielsweise, dass der Pkw automatisch rechts auf den Standstreifen fährt und anhält, wenn es dem Fahrer nicht gutgeht und die Gefahr besteht, dass er die Kontrolle über sein Auto verliert.

Mit welchen fachlichen Herausforderungen haben Sie es dabei zu tun?

Die promovierte Ingenieurin Julia Niemann arbeitet seit 2012 bei BMW.

Wir müssen für relativ abstrakte Konstrukte, wie beispielsweise Müdigkeit oder Aufmerksamkeit, eine Wahrheit finden, auf deren Grundlage wir die Algorithmen entwickeln und evaluieren können. Ist der Fahrer wirklich so müde, dass er bereits fahrunfähig ist? Wie grenzen wir die unterschiedlichen Müdigkeitsstufen sauber voneinander ab?

Wir müssen natürlich die Stabilität der Systeme garantieren können, damit nicht plötzlich ein Notfallhalt ausgelöst wird, obwohl es dem Fahrer gutgeht. Dies alles objektiv festzustellen und valide Daten zu gewinnen, das ist natürlich eine sehr große Herausforderung.

Welche Aspekte an Ihrer Arbeit gefallen Ihnen besonders?

Ich genieße die Freiheit, meine Themen wirklich so zu gestalten, wie ich es für sinnvoll und richtig erachte. Ich arbeite gerne an Konzepten und Strategien, und das ließ sich bisher sehr gut mit meiner Rolle als Projektleiterin vereinbaren.

Auch die Zusammenarbeit in den interdisziplinären Teams ist super: Wir stellen hier gemeinsam so innovative Projekte auf die Beine, die nicht nur für den gesamten Automotive-Bereich wahnsinnig relevant sind, sondern für Mobilitätskonzepte auf der ganzen Welt. Das finde ich schon extrem spannend, was bei uns gerade passiert und dass ich ein Teil davon sein kann.

Innovationsfreude und den Mut, Neues anzupacken sind für Sie Eigenschaften, die BMW ausmachen?

Ja, total. Mich beeindruckt es sehr, dass BMW als eher traditionelles Maschinenbauunternehmen so auf Digitalisierung, künstliche Intelligenz und automatisiertes Fahren setzt. Und man ist hier dann auch flexibel genug, die entsprechenden Organisationsstrukturen anzupassen, um die richtige Basis für die Umsetzung dieser Ideen zu schaffen. Ich finde, das ist sehr mutig für einen so großen Konzern.

Wie erleben Sie die Atmosphäre bei BMW?

Ich empfinde meine Umgebung als sehr wertschätzend. Ich muss mich nicht verstellen und kann authentisch sein.

Wie unterstützt Sie BMW in Ihrer Weiterentwicklung?

Man hat hier immer die Möglichkeit, sich entsprechende Seminare zu suchen und mit dem Gruppenleiter bzw. der Führungsperson abzustimmen, in welche Richtung man sich weiterentwickeln möchte.

Ich habe in meiner Zeit bei BMW alle Weiterbildungen besucht, die ich gerne machen wollte. Ich belege demnächst auch ein Führungsseminar, bei dem ich u.a. lernen werde, wie man Teams effektiver leitet. Das finde ich super. Außerdem bin ich vor kurzem als Potentialkandidatin identifiziert worden, das heißt dass ich zukünftig besonders in Richtung Führungskarriere gefördert werde.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um bei BMW einen guten Job zu machen?

Man sollte Lust darauf haben, eigenständig zu arbeiten, etwas bewegen zu wollen und neue Themen anzugehen, für die man sich begeistern kann. Ich kann für mich wirklich sagen, dass das, was ich mache, mir wirklich Spaß macht. Und ich glaube, dann macht man seinen Job erst richtig gut.

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