Auslandserfahrung sammeln
Ab in die Ferne

Von Eva Fiene am 19.04.2016 - 08:59 Uhr

Foto: depositphotos.com / gustavofrazao
Jemand hält ein Schild mit der Aufschrift "Work abroad"

Mit einem Auslandspraktikum auf Ihrem Lebenslauf punkten Sie bei vielen Arbeitgebern. Aber nicht nur für die Karriere bringt die Zeit "abroad" etwas. So abgedroschen es klingt: Sie erweitert Ihren Horizont!

"Es war eine perfekte Zeit!" Michelle Sauer aus Gießen ist von ihrem siebenmonatigen Praktikum begeistert. Sie arbeitete bei MTU Aero Engines in Vancouver, Kanada, in der Personalabteilung mit. "Die Kanadier sind so offen und tolerant. Ich habe mir vorgenommen, diese Einstellung für mein Leben in Deutschland zu bewahren."

Auch Helena Glass aus Bergisch-Gladbach würde wieder ihre Koffer packen: Sie betreute sechs Wochen lang als "Volunteer" Kinder in einem sozialen Projekt in Recife, Brasilien. "Ich empfehle es wirklich jedem, für eine Zeit lang ins Ausland zu gehen", sagt sie. "Ich bin durch die Zeit nicht nur viel selbständiger geworden, weil ich mich ganz alleine zurechtfinden musste. Ich habe auch einen anderen Blick auf die Dinge bekommen und nehme nicht mehr alles selbstverständlich hin."

Die Zeit "abroad" lohnt sich also in vielerlei Hinsicht. Mit einem gewissen Planungsaufwand müssen Sie jedoch rechnen – die folgenden Tipps zu Organisation, Finanzierung & Co. helfen hier weiter!

Die Rahmenbedingungen: Was will ich wann machen und wo?

Als erstes fragen Sie sich, was für eine Art von Praktikum Sie machen wollen, wo und wie lange es dauern soll. Zur besseren Vorbereitung hilft auch die Klärung der folgenden Punkte:

  • Will ich in einem bestimmten Unternehmen oder in einer bestimmten Branche ein Praktikum machen? Oder möchte ich in einem sozialen Projekt mitarbeiten?
  • Bringt mir das Praktikum etwas für meine Berufserfahrung oder ist es mir egal, wo und was ich arbeite?
  • Kann ich die Sprache des Landes, in das ich gehen will? Möchte ich die Sprache auch vertiefen?
  • Wie lange will ich ins Ausland? Muss ich mein Studium dafür unterbrechen oder gehe ich nach meinem Abschluss / zwischen Bachelor und Master?

Die Suche: Wie finde ich mein Auslandspraktikum?

Je nachdem, für welche Art von Praktikum Sie sich entscheiden, startet Ihre Suche an einem bestimmten Punkt:

Haben Sie beispielsweise ein spezielles Unternehmen im Auge, ist die erste Anlaufstelle sicherlich die Karriere-Webseite der Wunsch-Firma. Viele deutsche Unternehmen, wie Volkswagen oder Bosch, sind auch im Ausland aktiv und schreiben die Stellen für ihre internationalen Standorte ebenfalls aus.

Möchten Sie in einem bestimmten Land Berufserfahrung sammeln, gibt es wiederum spezielle Jobbörsen, wie z. B. www.sinojobs.com für China oder die australische Jobbörse myfuture. Tipp: Wenn Sie wissen möchten, welche deutsche Firmen in einem bestimmten Land Niederlassungen unterhalten, informieren Sie sich beispielsweise bei der Deutschen Auslandshandelskammer.

Helena Glass betreute als 'Volunteer' Kinder in einem sozialen Projekt in Recife, Brasilien.

Sehr bekannt ist natürlich die Studentenorganisation AIESEC, die sowohl Praktika in Unternehmen als auch Arbeit in Freiwilligenprojekten vermittelt. Über "Global Citizen" hat auch Helena Glass ihren Weg ins Ausland gefunden. Dazu registrierte sich auf der Webseite der Organisation, bekam so Kontakt zu ihrem lokalen AIESEC-Komitee und meldete sich auf dem folgenden Infoabend direkt für das Programm an.

Eine weitere Möglichkeit sind Vermittlungen, die gegen Bezahlung Hospitanzen suchen. Für diese Variante hat sich Michelle Sauer entschieden: "Ich hatte ganz bestimmte Vorstellungen und wollte unbedingt in Kanada ein hochwertiges Praktikum machen", sagt sie.

Auch die Branche sei ihr sehr wichtig gewesen, denn neben ihrem Studium hatte die BWLerin bereits Erfahrung im HR-Bereich gesammelt – der rote Faden im Lebenslauf sollte erhalten bleiben. "Daher habe ich eine Praktikumsvermittlerin engagiert, die viele Kontakte zu kanadischen Unternehmen hat."

Link-Tipp: Auf der Webseite des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) finden Sie viele Infos zu den unterschiedlichsten Praktikumsbörsen und Programmen wie z. B. Rise weltweit, ASApreneurs oder IAESTE-Fachpraktika.

Die Planung: Was muss ich wann organisieren?

Die Organisation eines Auslandspraktikums braucht natürlich etwas Zeit. Wann Sie anfangen zu planen, hängt auch davon ab, ob Sie über eine Organisation, Vermittlung oder eigeninitiativ ins Ausland gehen. "Ich habe meine Vermittlerin im Oktober 2014 kontaktiert und bin dann im August 2015 nach Kanada gegangen. Das hat deshalb etwas länger gedauert, weil der Praktikumsplatz noch besetzt war", berichtet Michelle Sauer. "Generell hätten aber 4 Monate Vorlaufzeit gereicht. Sicherlich ist der Zeitaufwand größer, wenn man alles selbst organisiert und in ein bestimmtes Unternehmen möchte."

Grundsätzlich können Sie sechs bis sieben Monate vor gewünschtem Start des Praktikums mit der Organisation beginnen. Interessieren Sie sich für ein bestimmtes Vermittlungsprogramm, wie beispielsweise ASApreneurs, beachten Sie die jeweiligen Fristen, denn oft gibt es nur einmal pro Jahr die Möglichkeit sich zu bewerben.

Link-Tipp: Eine kurze Checkliste, wann was zu planen ist, finden Sie beispielsweise auf der Webseite von www.auslandslust.de.

Das Geld: Wie finanziere ich mein Auslandspraktikum?

Die meisten Auslandspraktika, besonders bei Nichtregierungsorganisationen, sind oft unbezahlt. Folgende Kostenblöcke kommen unter Umständen auf Sie zu:

  • Flug
  • Visum
  • Evtl. Vermittlungsgebühren
  • Versicherungen
  • Unterkunft
  • Lebenshaltungskosten vor Ort (Essen, öffentliche Verkehrsmittel, Ausgehen vor Ort etc.)

"Alles in allem, also inklusive AIESEC-Gebühren, Flug und Kosten vor Ort, habe ich ungefähr 1500 Euro ausgegeben, aber es schadet nicht, mit 2000 Euro zu planen", sagt Helena Glass. Besonders die Krankenversicherung kann ganz schön ins Geld gehen, wie Michelle Sauer erfahren musste: "Für Kanada und die USA ist sie teurer als für alle anderen Länder. Das sollte man vorher mit einplanen. Für 6 Monate habe ich 650 Euro gezahlt."

Natürlich können Sie anfangen zu sparen, die folgenden Finanzierungsmöglichkeiten haben Sie außerdem:

  • Auslandsbafög: Auch für ein Praktikum bekommen Sie Geld vom Staat, hier gelten jedoch bestimmte Voraussetzungen, die Sie hier nachlesen können.
  • Stipendien: Gefördert werden u.a. Kurzpraktika oder es gibt Zuschüsse zu Fahrtkosten – auf der Webseite des DAADs finden Sie eine gute Übersicht über diverse Stipendienprogramme.
  • Bildungskredit: Die kfw-Bank vergibt beispielsweise ein solches Darlehen.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Möchten Sie möglichst viel Praxiserfahrung in der Ferne sammeln, ist es von Vorteil, die Sprache des Praktikum-Landes zu beherrschen. So können Sie von Anfang an richtig mitarbeiten, Sprachbarrieren halten nur auf. Tipp: Neben Kursen beispielsweise an Ihrer Hochschule, ist ein Sprachtandem ein hervorragender Weg, ihre Kenntnisse von Englisch, Spanisch & Co. zu vertiefen.

Was viele nicht bedenken: Planen Sie auf jeden Fall noch etwas Zeit zum Reisen ein. "Man sollte jede freie Minute nutzen, das Land kennenzulernen und sich nicht nur in der Stadt aufhalten, in der man tatsächlich sein Praktikum macht", meint auch Michelle Sauer. "Wie lernt man sonst Land und Leute kennen?"

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