20 Jahre accessPraktika und Lebenserfahrung vs. Studiendauer - Erwartungen an die Berufseinsteiger von heute
Die Marke access feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums sprachen wir mit Andreas Huthmann, Manager / Prokurist - Management Consulting bei der FAS AG in Stuttgart. Herr Huthmann vertrat auch in diesem Jahr wieder seinen Fachbereich auf dem access-first Finance, Controlling & Audit Career Event, der vom 31. März bis zum 02. April in Frankfurt stattfand. Er selbst hat seinen Berufseinstieg der Teilnahme an einem access Career Event zu verdanken und berichtet über seine Erfahrungen als Teilnehmer sowie Firmenvertreter und über die Erwartungen, die an die Absolventen von heute gestellt werden.
access: Herr Huthmann, wir haben Sie in diesem Jahr erneut auf dem access-first Career Event Finance, Controlling & Audit als Fachbereichsvertreter begrüßen dürfen. Seit wann sind Sie bei der FAS AG tätig, was ist Ihre Position und wie sieht Ihr Tätigkeitsbereich aus?
AH: Ich habe im Juni 2004 im Anschluss an mein BWL Studium in Marburg bei der FAS AG in Stuttgart als Consultant angefangen. Inzwischen bin ich Manager bei der FAS AG im Bereich Financial Services und beschäftige mich inhaltlich mit Projekten bei Banken und Finanzdienstleistern rund um die Themen Bilanzierung und Risikomanagement sowie Angleichung von Reporting und ökonomischem Ergebnis. In diesem Umfeld bin ich für Projektmanagement, Kundenakquise und Mitarbeitergewinnung zuständig und berichte direkt an unseren Bereichsvorstand.
access: Wie sind sie damals auf die FAS AG aufmerksam geworden und wie haben Sie das Unternehmen näher kennen gelernt?
AH: Auf die FAS AG bin ich im Rahmen des access Workshops Finance, Controlling & Accounting im April 2004 aufmerksam geworden. Aufgrund der Firmengröße (wir waren damals nur gut ein Dutzend Mitarbeiter) sagte mir die FAS AG bis zu meiner Bewerbung für den Workshop nichts. Im Rahmen der Auswahl für die Case Studies habe ich mich dann im Internet über die FAS AG informiert und habe die Firma dann auch später tatsächlich im Rahmen einer Fallstudie und der allgemeinen Programmpunkte des Workshops näher kennengelernt.
access: Können Sie uns beschreiben, wie Sie den access Career Event damals wahrgenommen haben? Wie war die Veranstaltung aufgebaut und wie haben sie die einzelnen Elemente persönlich empfunden?
AH: Der Aufbau war damals weitestgehend ähnlich zum noch aktuellen Aufbau. Am ersten Tag gab es ab mittags Firmenpräsentationen der vertretenen Firmen und abends ein erstes Get-Together mit Absolventen und Firmenvertretern. Am zweiten Tage fanden dann die eigentlichen Fallstudien statt und abends gab es dann das Rotating Dinner, bei dem wir noch mal die Gelegenheit hatten, die Firmenvertreter in entspannter Atmosphäre näher kennenzulernen bevor dann am letzten Tag die Einzelgespräche und das Career Coaching die Veranstaltung abschlossen.
access: Wie ging es nach dem Event mit Ihnen und der FAS AG weiter?
AH: Ich habe damals im Rahmen der Einzelgespräche direkt ein Angebot von der FAS AG erhalten und dieses dann nach einer kurzen Bedenkzeit auch angenommen. Mich hat damals vor allem die Möglichkeit gereizt, im Rahmen einer jungen Firma mitzuwachsen und etwas aufzubauen. Nach vier Jahren bin ich zum Manager befördert worden, aber auch unabhängig von formalen Titeln hat sich mein Aufgabenfeld seit meinem Einstieg kontinuierlich weiterentwickelt. Diese Entwicklung wurde natürlich auch durch entsprechende Weiterbildungen gefördert. Im Moment nehme ich z. B., gesponsert durch die FAS AG, berufsbegleitend am Executive MBA Programm der WHU und Kellogg Business School teil.
access: In wieweit haben sich die heutigen access Career Events in Struktur oder Atmosphäre gegenüber ihrer Teilnahme damals verändert?
AH: Insgesamt sehe ich wenig wesentliche Veränderungen. Da ich den Event jedoch sehr gut finde, ist das auch nicht schlimm. Es gibt eher eine Reihe von kleinen Detailänderungen. So ist der Veranstaltungsort in Frankfurt mit Sicherheit, gerade was die Verpflegung und die Unterbringung betrifft, von deutlich höherem Niveau als der Veranstaltungsort damals. Ein bisschen schade finde ich, dass die Zahl der Teilnehmer, die zum Get Together am Vorabend der Fallstudien bereits anreisen, inzwischen etwas zurückgegangen ist, aber vielleicht ändert sich das ja in Zukunft auch wieder.
access: Sehen Sie auch Veränderungen bei den Kandidaten?
AH: Auf Seite der Kandidaten ist mit Sicherheit die offensichtlichste Veränderung die Tatsache, dass mit der Einführung der Bachelor Abschlüsse die Absolventen im Schnitt deutlich jünger geworden sind und ein Bachelor Abschluss auch inhaltlich nicht gleichwertig zu einem Diplom ist. Es ist natürlich immer schwierig, pauschale Ratschläge zu geben und natürlich haben wir in den letzten Jahren auch sehr qualifizierte Bachelor Absolventen eingestellt. Grundsätzlich würde ich aber jedem empfehlen, den Bachelor mit einem Master abzurunden. Das kostet zwar etwas zusätzliche Zeit, aber die ist meines Erachtens sinnvoll investiert - von der häufig zu hörenden Predigt, dass die Chancen der Absolventen umso größer sind je jünger sie sind, halte ich wenig. Gerade in der Beratung bin ich dankbar, wenn ein Absolvent seine Studienzeit gut genutzt hat, ein paar Praktika gemacht hat und auch sonst etwas Lebenserfahrung sammeln und Persönlichkeit bilden konnte. Das soll natürlich weder ein Aufruf zum Bummelstudium sein, noch heißen, dass jemand sich mit einer Zusatzqualifkation nach der anderen vor seinem Berufseinstieg "drücken" soll. Hier ist wie so oft im Leben das richtige Maß gefragt. Ein Masterstudium kann natürlich auch nach einigen Jahren Berufserfahrung sinnvoll sein, aber da besteht die Gefahr, dass man sich im Arbeitsleben eingerichtet hat und der Sprung zurück ins Studentenleben - ggf. auch mit den kurzfristig damit verbundenen finanziellen Einbußen - deutlich schwieriger ist.
Ansonsten merkt man regelmäßig, dass Karriere-Themen, die verstärkt in der Presse diskutiert werden, wie z.B. das Thema Work-Life-Balance auch stärker ins Bewusstsein der Absolventen rücken. Das ist grundsätzlich nichts Schlimmes, aber man sollte sich auch überlegen, was das wirklich für einen persönlich bedeutet und was man sich genau darunter vorstellt. Wenn z.B. Work-Life-Balance bedeutet, dass man Spaß an seiner Arbeit haben möchte und es individuelle und flexible Regelungsmöglichkeiten gibt, private Wünsche und Arbeit unter einen Hut zu bringen, ist das vollkommen legitim und realisitsch - wenn sich jedoch hinter dem Begriff Work Life Balance der Wunsch nach einem nine-to-five Job versteckt, ist das meines Erachtens nicht mit den Karriere-, Aufgaben- und Gehaltswünschen der Absolventen kompatibel - und da spreche ich nicht nur für die FAS AG, sondern auch für die meisten anderen Firmen, die ich bisher kennengelernt habe.
access: Was zeichnet Ihrer Meinung nach die access Events aus?
AH: Meines Erachtens ist es für Absolventen die perfekte Möglichkeit mögliche Arbeitgeber kennenzulernen und sich zu präsentieren. Der große Vorteil im Gegensatz zu einem klassischen Interview bzw. Recruitingtag ist, dass man die Möglichkeit hat, sich 2 ½ Tage in den unterschiedlichsten Situationen zu präsentieren und die Unternehmensvertreter sowohl in klassischen Vorstellungsgesprächen als auch eher informell im Rahmen der Abendveranstaltungen kennen lernen kann. Dadurch fällt ein bisschen von dem Druck ab, eine perfekte Punktlandung zu machen. Auf der anderen Seite ist es auch das, was wir als Arbeitgeber an der Veranstaltung schätzen - die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand 2 ½ Tage vollkommen anders gibt, als er in Wirklichkeit ist, ist relativ gering.
access: Sie stehen nicht nur im Vorfeld der access Career Events in enger Abstimmung mit der HR-Abteilung der FAS AG. Was sind derzeitig die größten Herausforderungen beim Rekrutieren von Berufseinsteigern, aber auch Professionals mit erster Berufserfahrung?
AH: Ein wichtiger Aspekt ist mit Sicherheit, dass unser Name gerade bei Absolventen nicht so bekannt ist und viele gute Leute von den Möglichkeiten und Vorzügen einer kleineren Firma überzeugt werden müssen. Ich glaube, dass gerade Berufseinsteiger häufig nur die Spitze der möglichen Arbeitgeber nach einem Studium kennen. Auf der anderen Seite haben wir in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen mit denjenigen gemacht, die gezielt nach den Chancen und Möglichkeiten in einer kleineren Beratung gesucht haben und denen Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten wichtiger waren als ein bekannter Name.
Der zweite Punkt ist die Herausforderung jenseits von Noten zu erkennen, was jemand kann und bereit ist zu leisten. Gerade hierfür ist aber eine Veranstaltung wie der access Workshop ideal und ich glaube, dass wir überzeugenden Absolventen eine spannende Perspektive jenseits von großen Namen bieten können. Ein Beleg hierfür sind auch ehemalige Kollegen, die nach einigen Jahren der Beratungserfahrung bei der FAS AG auf die Kundenseite gewechselt sind und nun oft in verantwortungsvollen Positionen von börsennotierten Konzernen tätig sind.
access: Können Sie uns abschließend noch sagen, was der ideale Bewerber bei der FAS AG mitbringen sollte? Haben Sie ein paar Geheimtipps für die Absolventen 2011?
AH: Für einen Einstieg bei der FAS AG bringt eine Kandidat idealerweise ein gutes Zahlenverständnis, starke Analysefähigkeiten und Engagement mit. Wenn das Ganze dann noch durch relevante Praktika und ordentliche Noten abgerundet wird, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Natürlich sollten die Kandidaten auch ins Team passen, sprich: Es muss gegenseitige Sympathie vorliegen - aber ich denke das ist für beide Seiten wichtig. Hinsichtlich des Geheimtipps: Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man den Namen FAS AG im Vorfeld nicht kennt. Aber spätestens, wenn man die Einladung zum access Workshop erhält, macht es schon mal Sinn, sich im Internet über die vertreten Firmen grob zu informieren. Wenn ich beim Get-Together oder auf der Firmenmesse angesprochen werde: "Von Ihrer Firma hab ich noch nie gehört. Was machen Sie denn überhaupt?" ist das für mich nicht wirklich ein Zeichen von ernsthaftem Interesse.
access: Vielen Dank für das interessante Gespräch und bis zum nächsten access-first FCA!
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