Nicht noch ein Candidate Experience Text!
Die Reise des Kandidaten

Von Anke Thielemann

Foto: depositphoto.com/photographee.eu
Die Reise des Kandidaten

Candidate Experience. Können Sie dieses allgegenwärtige Buzzword überhaupt noch hören? Wir meinen: Solange aktuelle Daten und konkrete Handlungsempfehlungen angeboten werden, lohnt ein weiterer Beitrag zu diesem Thema.

Zunächst die Fakten: Candidate Experience bezeichnet die Gesamtheit aller Erfahrungen, die ein Bewerber im Kontakt mit einem Unternehmen vom Bewerbungsverfahren bis zum On-boarding macht. Und obwohl jeder darüber redet, gerät die „Reise des Kandidaten“ bei vielen Unternehmen noch zur Odyssee. Auf Grundlage unserer Studie Kelly Global Workforce Index haben wir die Kandidaten selber zu Wort kommen lassen und aus unseren Erkenntnissen Tipps für eine bessere Kandidatenerfahrung formuliert.

Zufriedenheit mit dem Bewerbungsverfahren

Für Kandidaten gewährt das Bewerbungs- und Einstellungsverfahren sozusagen einen ersten Einblick in das Unternehmen, für das sie eventuell künftig arbeiten werden. Leider werden aber von Arbeitgeberseite im Bewerbungsverfahren oft widersprüchliche Signale gesendet. So zeigten sich in Deutschland gerade einmal 41% mit ihrer letzten Bewerbererfahrung zufrieden, im Wirtschaftsraum EMEA waren es 42 %.

Positive Einflussfaktoren beim Bewerbungsverfahren

Die Kandidaten, die mit dem Ablauf des Bewerbungsverfahrens „sehr zufrieden“ bzw. „zufrieden“ waren, stellten besonders die folgenden positiven Merkmale heraus:

  • Einfache Bewerbung/elektronische Übermittlung der Unterlagen über verschiedene Geräte, z.B. Laptops, Tablets, Smartphones (Deutschland: 80 %, EMEA: 70%),
  • Eindeutige Stellen- und Anforderungsbeschreibung (Deutschland: 61%, EMEA: 46%),
  • Klare/regelmäßige Kommunikation bzw. Neuigkeiten zum Stand der Bewerbung (Deutschland: 53%, EMEA: 46%),
  • Klare/regelmäßige Kommunikation nach einem Vorstellungsgespräch (Deutschland: 56%, EMEA: 32%) und
  • Kenntnis der Lohn- /Gehaltsspanne (Deutschland: 32%, EMEA: 21%).

Negative Einflussfaktoren beim Bewerbungsverfahren

Unter denjenigen, die „sehr unzufrieden” oder „unzufrieden“ mit dem Verlauf des Bewerbungsverfahrens waren, sorgte ganz besonders ein Mangel an klarer/regelmäßiger Kommunikation bzw. Neuigkeiten zum Stand ihrer Bewerbung für Unmut (63% in Deutschland, 70% in der EMEA-Region). Als weitere Negativbeispiele wurden genannt: Mangel an Kommunikation bzw. Neuigkeiten nach dem Vorstellungsgespräch (31%), keine Kenntnis des zu erwartenden Lohns oder Gehalts (32%) sowie keine eindeutige Stellenbeschreibung (31%).

Die wichtigsten Einflussfaktoren beim Bewerbungsverfahren

Befragt man Arbeitnehmer zu ihrer Erfahrung mit der Stellensuche im Allgemeinen und bittet sie, die einflussreichsten Faktoren für ein positives Erleben zu nennen, treten besonders zwei Aspekte zutage: Sowohl in Deutschland (35%) als auch den anderen EMEA-Staaten (34%) sind den Menschen die unkomplizierte Übermittlung ihrer Bewerbung mittels elektronischer Geräte sowie der regelmäßige Erhalt von klaren und aktuellen Informationen zum Stand ihrer Bewerbung (je 28 %) besonders wichtig.

Antwort auf die Bewerbung

Befragt man die Kandidaten, welchen Zeitrahmen sie für akzeptabel halten, um etwas zum Stand ihrer Bewerbung zu hören, haben sie ganz klare Erwartungen. Über die Hälfte (58%) der Deutschen gibt sich mit einer Rückmeldung innerhalb von zwei Wochen zufrieden und 30 % akzeptieren 3 bis 5 Tage (EMEA: 48%). Eine Minderheit (3%) hätte am liebsten schon innerhalb von ein bis zwei Werktagen eine Antwort; nur 8% hingegen fänden es auch in Ordnung, wenn eine Antwort bis zu vier Wochen auf sich warten ließe.

„On-boarding“ – Die Integration ins Unternehmen

Ist es einem Arbeitgeber gelungen, einen Kandidaten anzuziehen und einzustellen, beginnt die schwierige Aufgabe, den neuen Mitarbeiter ins Unternehmen zu integrieren und eine Basis dafür zu schaffen, dass er auch bleibt – die damit einhergehenden Maßnahmen bezeichnet man oft als „On-boarding“.

Weltweit gibt nur gut jeder zweite Studienteilnehmer an (55%), dass sein gegenwärtiger Arbeitgeber einen strukturierten Ansatz hatte, um ihm eine effiziente Integration in das neue Unternehmen zu erleichtern. In Deutschland und den anderen EMEA-Staaten gab etwa die Hälfte der Befragten (je 48%) an, ein On-boarding erhalten zu haben.

Erfreulich ist wiederum, dass die Mehrzahl der Beschäftigten (62%) 90 Tage nach Antritt einer neuen Arbeitsstelle im Allgemeinen einen positiven Eindruck von ihrem Arbeitgeber hat. So gaben 26% der Studienteilnehmer in Deutschland an, ihre Erfahrung sei „definitiv positiv“, 36% sprachen von einer „eher positiven“ Erfahrung.

Die Zufriedenheitswerte, die sich im jüngsten KGWI finden, lassen den Schluss zu, dass es noch beträchtlichen Spielraum für Verbesserungen gibt. Aber noch viel deutlicher tritt zutage, wie die Investition in neue Talente oft im Nachhinein wieder zum Fenster hinausgeworfen wird, weil keine angemessene Integration ins Unternehmen stattfindet. Gewiss können Arbeitgeber eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um diesen Prozess effizienter zu gestalten.

Was Arbeitgeber tun können

Häufig beklagen Kandidaten den Mangel an Informationen darüber, wo sie im Bewerbungsprozess eigentlich stehen. Dies lässt die Kandidaten häufig verwirrt und verunsichert zurück.

Ein Schlüssel zu einem verbesserten Bewerbungsprozess liegt ganz eindeutig in der Kommunikation mit den Kandidaten: Sie sollten wissen, wo sie stehen – und zwar nachdem sie ihre Bewerbung eingereicht haben genauso wie nach einem Vorstellungsgespräch.

Des Weiteren sollte der Arbeitgeber das Einreichen von Bewerbungen so einfach wie möglich gestalten. Stellenanforderungen, Qualifikationen, die gewünschte Berufserfahrung und das Gehalt sollten verständlich beschrieben sein. Zu guter Letzt führt eine zeitnahe Antwort auf die Bewerbungen dazu, dass sich alle Kandidaten fair beurteilt und wertgeschätzt fühlen.

Beachten Unternehmen diese einfachen, aber wichtigen Kandidatenwünsche, steht einer gemeinsamen weiteren Reise nichts im Weg.

Wenn Ihnen die Erkenntnisse unserer Studie Kelly Global Workforce Index (KGWI) geholfen haben, würden wir uns freuen, wenn Sie an unserer diesjährigen Umfrage teilnehmen, die noch bis zum 29. Juli online ist. Die Befragung dauert etwa 10 Minuten und die Ergebnisse werden ab Oktober in vier Themenschwerpunkten veröffentlicht. Als Dankeschön gibt es drei Samsung Galaxy Tabs zu gewinnen.

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