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Auslandsknigge (3)
Viele Kulturen auf engem Raum – Benehmen bei unseren europäischen Nachbarn

Foto: Istockphoto/richterfoto

Eine gute Kinderstube zahlt sich immer aus. Doch: Andere Länder, andere Sitten. Selbst wenn die Reise "nur" in ein europäisches Nachbarland geht, kann sich jenseits der Grenze einiges ändern. Wie Sie auch in Frankreich, Spanien oder Großbritannien mit Höflichkeit glänzen, verraten wir Ihnen in unserer Auslandsknigge-Reihe.

Frankreich: Knigge à la française

Unser Nachbarland im Westen ist nach wie vor ein beliebtes Gastland für Studenten. 2012 wurde Paris sogar zur beliebtesten Unistadt der Welt gewählt.

Zur Begrüßung: Bei der Begrüßung sind Franzosen herzlicher als Deutsche. Besonders Frauen werden üblicherweise mit "Bise" begrüßt, d. h. ein Küsschen auf beide Wangen. Normalerweise werden dabei lediglich die Wangen aneinander gehalten, man küsst sich also nicht wirklich. Enge Freunde und Verwandte begrüßen sich auch manchmal mit vier Küsschen, zwei links, zwei rechts. Im Süden Frankreichs sind die vier Küsschen verbreiteter, um Paris ist die Zweier-Alternative gängig.

Auch Männer des gleichen Alters begrüßen sich manchmal mit der zweifachen "Bise-Variante". Vor allem unter Studenten ist dies üblich. Warten Sie aber am besten ab, ob Ihnen doch die Hand angeboten wird. Das hat sich, zumindest unter Männern, mittlerweile nicht nur in Business-Kreisen durchgesetzt.

Im Gegensatz zur herzlicheren Begrüßung sind Franzosen, was die Anrede betrifft, eher förmlich. Geschäftskontakte und Menschen, die älter sind als Sie, werden grundsätzlich gesiezt und mit Nachnamen angesprochen.

Essen und Trinken: In Frankreich ist essen etwas Wichtiges und wird meist ausgiebig genossen. Im Restaurant wird Sie normalerweise ein Kellner zu Ihrem Tisch führen. Die Tischmanieren sind nicht sehr viel anders als in Deutschland. Eine Besonderheit gibt es aber doch: Zum Essen wird Brot gereicht, welches in kleine Stücke gebrochen und zum Essen verzehrt wird.

Knigge Frankreich: das Essen

Auch im Business hat Essen einen hohen Stellenwert. Neue Kollegen werden gern zu einer ausgiebigen Mittagspause oder einem Dinner eingeladen. Büro-Themen sollten aber unbedingt bis zum Dessert warten, alles andere wäre unhöflich. Auch geschäftliche Essen dienen in Frankreich mehr der Beziehungspflege als der reinen Nahrungsaufnahme.

Wenn Sie privat eingeladen sind, schenken Sie lieber keinen Wein: Der Gastgeber könnte denken, Sie hielten ihn für unfähig, einen guten zu besorgen. Blumen oder Schokolade sowie Spezialitäten aus Deutschland sind gute Geschenke. Bei Blumen allerdings lieber keine Chrysanthemen aussuchen, sie sind in Frankreich die klassischen Beerdigungsblumen.

Kleidung: Franzosen legen sehr viel Wert auf Stil und Mode. Eleganz ist daher Trumpf. Genau wie auch in Asien und Amerika sind dunkle Anzüge mit Krawatte und edle Kostüme immer eine gute Wahl.

Frauen sollten auf ein gepflegtes Äußeres und passendes Make-Up achten. Nagellack und Pumps sind, im Gegensatz zu Asien, kein Fauxpas. Trotzdem sollten Röcke immer mindestens knielang sein. Helle Socken zum dunklen Anzug sind ebenfalls ein absolutes No-Go. Schmuck ist in Maßen ok, es sollte nicht überladen wirken.

Meetings und Treffen: Auch wenn Ihre französischen Kollegen vielleicht zu spät kommen, sollten Sie pünktlich sein, das wird von Deutschen erwartet.
Alle Franzosen legen sehr viel Wert auf ihre Sprache und die Kultur ihres Landes. Da außerhalb von Paris nicht alle Englisch sprechen, sind zumindest Basis-Französisch-Kenntnisse unerlässlich.

Beim Smalltalk vermeiden Sie lieber Themen wie Verdienst, Religion oder Krieg. Fragen über die französische Kultur oder die französische Küche sind dagegen sehr gern gesehen.

Großbritannien: Auf der Insel auf Zack

Die Bewohner der britischen Inseln sind bekanntlich sehr auf Höflichkeit bedacht. Nicht nur "please" und "thank you" gehören dort zum guten Ton, auch weitere Regeln gilt es zu beachten.

Zur Begrüßung: Beim ersten Kennenlernen ist Händeschütteln üblich, danach kann die Begrüßung auch ohne Körperkontakt ablaufen. Absolut gängig ist ein freundliches "How do you do?", was aber genau wie in den USA am besten mit einer entsprechenden Gegenfrage beantwortet werden sollte.

Im Geschäftsleben werden Kollegen generell mit Mr. oder Mrs. und dem Nachnamen angesprochen, es sei denn es wird anders angeboten.

Zu unverheirateten Frauen sagen Briten durchaus noch "Miss". Diese Regel beschränkt sich aber bei Unbekannten meist auf Frauen bis Anfang 20, da Sie vermuten können, dass diese nicht verheiratet sind. Wenn Sie eine ältere unverheiratete Frau kennenlernen, sprechen Sie sie aber eher nicht mehr mit "Miss" an; das empfinden viele Frauen als unangebracht.

Auch Eltern von Freunden oder Kommilitonen, Lehrer und andere ältere Personen werden mit Nachnamen angesprochen, bis der Vorname angeboten wird.
Mit Höflichkeitsformeln wie "Bitte", "Danke" und "Entschuldigung" sollte nicht gerade sparsam umgegangen werden. Auch wichtig: Wenn sich jemand bei Ihnen bedankt, antworten Sie stets mit "you’re welcome".

Auslandsknigge England: im Pub

Essen und Trinken: Essen gehen ist in Großbritannien nicht ganz so üblich. Nach der Arbeit führt es die Kollegen eher oft noch in einen Pub auf ein Feierabendgetränk. Das Trinkgeld ist meistens schon in der Rechnung enthalten, wenn nicht steht dies separat darauf, dann sind 10 bis 15 Prozent angemessen.

Essen gehen ist in Großbritannien nicht ganz so üblich. Nach der Arbeit führt es die Kollegen eher oft noch in einen Pub auf ein Feierabendgetränk. Das Trinkgeld ist meistens schon in der Rechnung enthalten, wenn nicht steht dies separat darauf, dann sind 10 bis 15 Prozent angemessen.

Kleidung: Guter Stil hat in England Tradition. Angebracht ist im Büro ein dunkler Anzug oder Kostüm. Ähnlich wie in den USA gibt es verschiedene festgelegte Dresscodes: Business Standard bedeutet hier auch Anzug mit Hemd und Krawatte, für Frauen das Kostüm. Generell kommt Business Standard in Großbritannien häufiger vor als die relaxtere Variante "Business Casual (Corporate)", die in den USA auch üblich ist (Hemd ohne Krawatte oder Jackett).

Einen "Casual Friday" gibt es nicht sehr häufig, fragen Sie aber besser nach, wenn Sie in einer britischen Firma ein Praktikum machen.
Auch für Frauen gilt: Im Büro sind offene Schuhe oder Röcke ohne Strumpfhose ein absolutes Tabu.

Vorsicht auch bei gestreiften Krawatten! Bei den Briten stehen bestimmte Streifenkombinationen für die Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung oder dem Militär. Bevor Sie einen falschen Eindruck vermitteln, greifen Sie lieber zu einfarbigen Exemplaren.

Meetings und Treffen: Vor einem Meeting plaudern auch die Briten gerne über eher harmlose Themen, das Wetter ist dabei immer ein großartiger Einstieg. Ganz weglassen sollten Sie negative Bemerkungen über die Monarchie oder Militäreinsätze, das gehört nicht in den Smalltalk.

Wenn Sie Vorschläge direkt ablehnen, gilt dies als unhöflich. Versuchen Sie lieber eine freundliche Alternative vorzutragen.

Achtung: Briten sind sehr galant. "Very Interesting" bedeutet meistens, dass etwas mittelmäßig bis überhaupt nicht interessant ist und eventuell sogar missbilligt wird. Stufen Sie positive Aussagen also nicht zu hoch ein. Bei ersten Treffen sollten Sie zurückhaltend agieren, Bescheidenheit wird auf der Insel besonders geschätzt.

Spanien: Auch unter heißer Sonne einen kühlen Kopf bewahren

Spanier sind herzlich und gehen offen mit neuen Kollegen um. Vorsicht ist dagegen angebracht beim Thema Religion, viele sind hier streng katholisch.

Zur Begrüßung: Diese fällt, wie in Frankreich, sehr herzlich aus. Ein Händeschütteln oder Schulterklopfen ist Gang und Gäbe, Frauen werden auch schon mal mit Wangenküsschen begrüßt. Geduzt wird relativ schnell, das bedeutet aber nicht größere Sympathie. Warten Sie generell, bis Ihnen das "Du" angeboten wird.

Essen und Trinken: Private und oft auch geschäftliche Essen finden meist sehr spät abends statt. Manchmal beginnen Spanier erst um 21 Uhr mit der Vorspeise.

Knigge Spanien: Flamenco

 Dabei können sich die vielen Gänge bis Mitternacht hinziehen.

Gegen späten Vormittag wird im Büro fast immer eine kurze Pause eingelegt, um in einer Bar zu frühstücken. Damit ist aber nicht gemeint, dass Sie bereits zur Mittagszeit Alkohol trinken können.

Bars haben zu dieser Tageszeit eher den Charakter eines Bistros. Die Mittagspause ist oft etwas länger, dafür aber erst am Nachmittag. Da die erste Tagesmahlzeit nur kurz und spärlich ist, wird das zweite Mahl meist richtig genossen.

Kleidung: Auch in Spanien sind dunkle Anzüge und Kostüme immer gern gesehen. Die Krawatte oder das Hemd dürfen auch mal farbig sein, Muster vermeiden Sie aber lieber. Ziehen Sie im Restaurant niemals das Jackett aus, auch nicht im Sommer. Außer natürlich es wird Ihnen angeboten.

Meetings & Treffen: Meetings haben meist eine flexible Tagesordnung, sofern es diese überhaupt gibt. Auch während der Arbeit sprechen Spanier gerne über Privates. Fragen zu Familie und Hobbies sind, anders als im unterkühlteren England, sehr beliebt, diese können Sie ruhig beantworten.

Frauen kann es passieren, dass sie von ihren Kollegen oder Kommilitonen Komplimente bekommen oder "guapa" (= Hübsche) genannt werden. Das ist nicht zudringlich gemeint und Sie dürfen das Spiel ruhig ein wenig mitspielen, sonst wirken Sie vielleicht verstockt.

Tags zum Artikel:Auslandserfahrung
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