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Auslandsknigge (1)
All American Knigge: Benehmen in USA und Kanada

Foto: Istockphoto/kuriputosu
Auslandsknigge USA und Kanada

Wer sich benehmen kann macht sich Freunde. Auch im Ausland sind Manieren keine Glückssache. In den USA und Kanada geht es nicht so locker zu wie gedacht. Warum Sie in den Vereinigten Staaten auf keinen Fall "Oh my God" sagen und in Kanada das Peace-Zeichen vermeiden sollten, zeigen wir Ihnen im ersten Teil der Auslandsknigge-Reihe.

Die USA stehen für viele immer für Freiheit und große Karrieren. Klar, dass die dortigen MBA-Schools und die zahlreichen Headquarters der großen Konzerne ein beliebtes Ziel für deutsche Studierende oder auch Auslandspraktikanten sind.

Auch Kanada steht seinem Nachbarn in Sachen Beliebtheit in nichts nach: Ob es die atemberaubende Natur ist, die sie reizt, oder die sehr gute College-Ausbildung im toleranten Umfeld – junge Menschen aus aller Welt streben in den Norden des amerikanischen Kontinents.

USA: Das ist unmöglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Auch wenn Amerikaner viel Wert auf lockeren Umgang legen, gibt es doch einige wichtige Regeln. Zu den Basics gehört zum Beispiel, dass alle Anwesenden einander vorgestellt werden und Kritik in Komplimente verpackt wird.

Zur Begrüßung: Das Kennenlernen fällt in den USA oft herzlich und locker aus. Ein kräftiger Handschlag und ein freundliches "Hello, how are you" sind Standard.

Auf die Frage nach dem Befinden aber bitte kurz und knapp "Fine, thank you" oder mit einer Gegenfrage antworten. Es ist nur eine Floskel und Amerikaner erwarten nicht eine ehrliche Antwort.

Wenn sich (zum Beispiel bei einem Essen) Personen in Ihrer Begleitung befinden, die das Gegenüber nicht kennen, stellen Sie diese vor und heben Sie die Vorzüge beider Personen heraus. Zum Beispiel: "Hey Misty, kennen Sie schon Bob? Er ist der beste Werfer unseres Baseball-Teams! Bob, das ist Misty, sie studiert Medizin in Harvard!"

Essen und Trinken: Verabredungen in Restaurants sind in den USA sehr beliebt. Allerdings laufen dabei einige Dinge anders als bei uns. Wenn Sie ins Restaurant kommen, wählen Sie Ihren Platz nicht selbst. Normalerweise führt der Kellner die Gruppe an einen freien Tisch.

US-Amerikaner essen häufig nur mit einer Hand. Fleisch wird vorgeschnitten und dann mit der Gabel gegessen. Wenn Sie allerdings Ihre deutschen Tischmanieren beibehalten ist dies kein Problem, viele Amerikaner empfinden diese sogar als besonders fein.

Im Gegensatz zu China ist ein Trinkgeld in den USA sehr angemessen. Oft bekommen Kellner einen sehr niedrigen Lohn und leben zu großen Teilen vom Trinkgeld, weshalb es auch ruhig einmal höher ausfallen kann. 10 bis 15 Prozent des Rechnungsbetrages sind üblich.

Es kann sein, dass Sie zu einer privaten Grillparty o.ä. eingeladen werden. Wenn aber kein konkreter Zeitpunkt genannt wird, nehmen Sie die Einladung nicht ernst. Es gehört zur amerikanischen Höflichkeit, Fremde sofort überschwänglich einzuladen - allerdings weiß auch jeder Amerikaner, dass dies nur eine Floskel ist. Falls es doch zum privaten Treffen kommt, sind kleine, nicht zu teure Gastgeschenke angebracht, und ein Dankesschreiben nach dem Abend macht auch einen guten Eindruck.

Kleidung: US-Amerikaner sehen im Büro nicht so "casual" aus wie man denken könnte.

Es gibt in den USA verschiedene Dresscodes. Im Büro gilt meistens "Business Standard", das heißt ein dunkler Anzug, weißes oder blaues Hemd und Krawatte. Achten Sie auch auf saubere und hochwertige Schuhe. Sneakers sind im Büro normalerweise nicht angebracht.

Frauen sind mit einem Kostüm oder Hosenanzug gut beraten. Röcke sollten möglichst unterhalb des Knies enden. Außerdem müssen Kostüme immer mit Feinstrumpfhosen kombiniert werden.

Knigge USA: Einladung zum Essen

Am, in den USA üblichen, "Casual Friday" gilt die Kleiderordnung "Business Casual". Aber Achtung: Das bedeutet nicht Jeans und T-Shirt!
Normalerweise kann Mann mit einer Anzugshose, Hemd und schicken Schuhen nichts falsch machen. Frauen sind mit einer lockereren Kombination aus Bluse und Rock oder einem schlichten, nicht zu figurbetonten Kleid und Jacke auf der sicheren Seite.

An der Uni geht es oft etwas lockerer zu. Das zeigt schon die Dresscode Bezeichnung "Campus Casual". Gemeint sind Jeans und T-Shirt, oder was auch immer den Studenten sonst noch gefällt. In renommierten MBA-Schools gilt allerdings meist "Business Casual", auch in Vorlesungen. Am besten informieren Sie sich vor dem ersten Tag auf der Webseite der Uni oder in Onlineforen.

Auf keinen Fall darf zu viel Haut gezeigt werden. Besonders Frauen sollten nicht zu enge oder kurze Kleidung wählen.

Meetings und Treffen: Besprechungen oder Konferenzen beginnen Amerikaner gern mit etwas Humor und viel Smalltalk. Zahlen und Fakten spielen keine so große Rolle wie in Deutschland.

Genau wie bei uns sind im Smalltalk Themen wie Religion, Sex und Politik nicht angebracht. Sport ist dagegen immer ein hervorragender Einstieg. Gesprächspausen gelten als unangenehm und können gut mit einer lockeren Frage überbrückt werden. Überschwängliche Komplimente sind ebenfalls sehr beliebt. Aber Vorsicht bei äußerlichen Komplimenten für das andere Geschlecht, sie können als Belästigung aufgefasst werden.

Fürs Business: Visitenkarten werden schnell übereicht und weggesteckt. Auch das Notieren der Telefonnummer auf der Karte ist nicht unhöflich. Amerikaner sind auf der Arbeit sehr an (kurzfristigen) Zielen orientiert, weshalb versucht wird, die Zeit so effizient wie möglich zu nutzen.

Generell sollten Gaststudenten oder Praktikanten Schimpfwörter vermeiden, genauso wie Witze oder Bemerkungen, die als diskriminierend aufgefasst werden können. "Oh mein Gott" bzw. "Oh my God" ist in den USA meist auch nicht gern gesehen.

Kanada: Willkommen bei den Mounties

Das erste, was Sie in Kanada falsch machen können, ist Kanadier und US-Amerikaner in einen Topf zu schmeißen. Trotz einiger Ähnlichkeiten haben Kanadier eine ganz eigene Kultur und möchten nicht verwechselt werden. Zum Beispiel spricht die eine Hälfte der Kanadier Französisch, und in Québec gilt sogar das französische Schulsystem.

Zur Begrüßung: Die Begrüßung läuft ganz ähnlich ab wie in den USA: Ein kurzer Handschlag und ein höfliches "How are you?", auf das kurz und prägnant mit "Fine, thanks" geantwortet wird. Auch in Kanada bitte keine langen Ausführungen über das Befinden anschließen. Anders als in Amerika wird aber mit Umarmungen bei Fremden eher spärlich umgegangen.

Da in Kanada ebenfalls sehr viele verschiedene Volksgruppen zusammen leben, sind diskriminierende Bemerkungen unangebracht.

Vorsicht auch bei dem in den USA beliebten Peace-Zeichen: Drehen Sie die Handfläche dabei versehentlich nach innen, ist dies in Kanada eine Beleidigung, ähnlich wie bei uns der ausgestreckte Mittelfinger.

Essen und Trinken: Im Gegensatz zu den USA sind die kanadischen Tischmanieren eher europäisch geprägt. Eine Besonderheit ist der Umgang mit Alkohol. Dieser wird noch stärker als in den USA reglementiert. Alkohol beim

Essen ist also nicht gern gesehen, bleiben Sie lieber bei Soft Drinks. Bei Geschäftsessen und formellen Anlässen eröffnet das älteste oder höchstranginge Mitglied das Essen, fangen Sie nicht an bevor nicht alle ihr Essen haben!

Knigge Kanada: ein Mountie

Trinkgeld ist höflich und normal, geben Sie ruhig zehn Prozent des Rechnungsbetrages. Winken Sie den Kellner aber nicht heran, wenn Sie zahlen wollen, das gilt in Kanada als unfein. Warten Sie ab bis der er oder sie zu Ihnen kommt oder gucken Sie ihn freundlich an.

Business Kleidung: Kanadier mögen’s ordentlich. Auf saubere und frische Kleidung wird ganz besonders Wert gelegt. Dreckige Schuhe sind ebenso ein No-Go wie unrasierte Beine bei Frauen oder weiße Socken zur dunklen Hose.

Auch im Büro hat gepflegt sein Priorität: Kurze Hosen werden in der Arbeitswelt überhaupt nicht toleriert, akkurat gebügelte Hemden sind dagegen ein Muss. Frauen sollten sich auch im Büro eher bedeckt halten, am besten sind konservative Kostüme ähnlich wie in den USA. Außerdem herrscht für Männer Krawattenzwang.

Meetings und Treffen: Wenn Sie ein Treffen vor längerer Zeit vereinbart haben, schicken Sie kurz vorher noch mal eine Erinnerungs-Mail, nach dem Treffen eine Dankes-Mail. Sie werden wahrscheinlich nicht sehr schnell in eine Privatwohnung eingeladen. Sollte dies doch der Fall sein, macht ein kleines, nicht zu teures Mitbringsel einen guten Eindruck. Bedanken Sie sich für die Gastfreundschaft Ihres Chefs gerne schriftlich per Mail oder mit einer Dankeskarte. Unter Studenten reicht aber auch eine freundliche Gegeneinladung.

Sparen Sie nicht mit Dankesbekundungen und vor allem Entschuldigungen. Es kann in Kanada sogar vorkommen, dass sich jemand entschuldigt, wenn Sie ihm auf den Fuß treten und nicht andersrum.

Ein grundsätzlicher Tipp für Kanada: Von Region zu Region können die Sitten variieren. So fühlen sich die englischsprachigen Kanadier eher den Briten verbunden, die Einwohner von Québec haben mehr Gemeinsamkeiten mit den Franzosen. Aber keine Angst, Kanadier sind tolerant und gerne bereit ihre Kultur zu erklären!

Tags zum Artikel:Auslandserfahrung
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