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Zukunft der Arbeit
Schöne neue Welt

Von Eva Fiene am 24.03.2017 - 10:04 Uhr

Foto: depositphotos.com / Feverpitch
Employability: Grünes Straßenschild mit der Aufschrift Welcome to the Future.

Wie bleiben wir für den Arbeitsmarkt der Zukunft attraktiv? Employability, wörtlich bedeutet dies Beschäftigungsfähigkeit, ist hier das Schlagwort. Autorin und Innovations-Coach Melanie Vogel, die Unternehmen u.a. bei Veränderungsprozessen berät, hat mit uns über das Thema gesprochen.

Welche Eigenschaften brauche ich, um für den Arbeitsmarkt der Zukunft fit zu bleiben?

Aus meiner Sicht gehört heutzutage dazu, dass ich beobachte, in welche Richtung sich die Branche und mein Fachgebiet weiterentwickeln könnten. Hier muss ich dranbleiben, um nach Möglichkeit zukünftige Entwicklungen zu antizipieren und mich selbstverantwortlich weiterzubilden. Natürlich kann niemand mit 100 prozentiger Sicherheit sagen, welche Veränderungen tatsächlich eintreten werden. Wenn ich aber flexibel bleibe und meine persönlichen Skills aktiv anpasse, kann ich mich viel besser auf neue Gegebenheiten einstellen.

Wichtig finde ich, dass man den Mut hat über den eigenen Tellerrand zu schauen und veränderungsbereit ist. In dem Moment, wo ich als Arbeitnehmer den Kopf in den Sand stecke oder mich in meiner Komfortzone einrichte, bin ich bereits im Nachteil. Wir sollten vielmehr eine positive Wachsamkeit kultivieren.

Zudem ist Neugierde besonders bei Veränderungsprozessen ein unheimlich starker Motivator. Natürlich kommt hinzu, dass ich mich sowohl in der analogen also auch in der digitalen Welt zurecht finde, um nicht abgehängt zu werden.

Employability ist kein neues Schlagwort. Warum ist dieses Konzept so wichtig geworden?

Heute ist alles viel unsicherer. Die Digitalisierung verändert unfassbar viel. In welche Richtung sich die Märkte entwickeln, können wir nicht mit Sicherheit vorhersagen. Nehmen wir das Beispiel Elektromobilität: Hier gibt es viele neue Entwicklungen, aber ob oder wie diese den Markt wirklich verändern, ist im Augenblick noch Spekulation. Dieser Effekt tritt natürlich nicht nur in der Automobilbranche auf, sondern in sämtlichen Wirtschaftszweigen.

Wir müssen daher akzeptieren, dass wir nicht mehr einen Job fürs Leben haben, sondern ein Leben voller Jobs. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass er oder sie den aktuellen Beruf auch in 10 oder 15 Jahren noch ausüben wird. Aufgrund dieser Unsicherheitsfaktoren hat Employability heute eine viel größere Bedeutung bekommen.

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt fundamental verändern, es ergeben sich dadurch Chancen, aber auch Herausforderungen. Wo hakt es Ihrer Meinung nach?

'Die Menschen müssen veränderungsbereit sein und akzeptieren, dass Sie nicht mehr einen Job fürs Leben haben, sondern ein Leben voller Jobs', sagt Autorin Melanie Vogel.

Aktuell wird in Deutschland alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann. Aber es nützt den Unternehmen ganz häufig nichts. Ich erkenne bei vielen Unternehmen keine wirkliche Produktivitätssteigerung durch digitalisierte Prozesse. Denn die meisten haben bei aller Digitalisierung nämlich komplett vergessen, die Mitarbeiter miteinzubeziehen.

Werden die Menschen bei diesen Veränderungsprozessen übersehen, steigt der Stress, steigen die Krankenstände, steigt die Unzufriedenheit, die Loyalität nimmt ab – und an der Stelle entstehen dann unerwartet neue Produktivitätsverluste.

Dabei sind es die Menschen, die zuerst kommen sollten, die nach wie vor die Produkte kaufen, die in den Unternehmen arbeiten, es sind die Menschen, die die Veränderungsprozesse mitmachen müssen.

Trotzdem arbeiten die wenigsten Unternehmen konsequent an diesem Thema und stellen auch keine Verbindung zwischen Change-Prozessen, Zukunftsunsicherheit und einer Zunahme bei den Krankenständen her. Für die Menschen ist es sehr schwierig geworden, unter solchen Umständen beschäftigungsfähig zu bleiben.

Gehört Gesundheitsförderung also zum Konzept Employability dazu?

Unbedingt. Da sehe ich die Firmen wirklich in der Verantwortung, hier passiert einfach noch zu wenig.

Wenn Unternehmen nach dem fünften Change-Prozess merken, dass mit der Belegschaft irgendwas nicht stimmt, ist es oft schon zu spät. Ein Großteil der Menschen, die ich in meinen Seminaren oder Vorträgen erlebe, ist dauerhaft gestresst. Im besten Fall fangen Unternehmen die Mitarbeiter durch Personalentwicklungsmaßnahmen frühzeitig auf und geben ihnen Werkzeuge an die Hand, so dass sie lernen, den Stress selbst regulieren und mit Veränderungen positiv umgehen zu können.

Erfolgen diese begleitenden Maßnahmen nicht, ist der Krankenstand im schlimmsten Fall in solchen Firmen dauerhaft hoch - und ich spreche hier nicht von Leuten, die drei bis vier Tage ausfallen, sondern die längerfristig wegen chronischer Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen bzw. Burnout fehlen.

Es gibt Forderungen, dass beim Thema Employability bereits in der Schule angesetzt werden müsse.

Das sehe ich auch so. Wir reden immer viel über die deutsche Bildungselite, vergessen dabei aber die Menschen, die beispielsweise kein Abitur haben. Auch sie müssen wir abholen.

Wir transportieren viel Hoffnung in die Hochschulabsolventen, aber damit überfordern wir sie auch. Viele Studierende, mit denen ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, wissen nicht, wie sie ihre Zukunft sinnhaft und gesund gestalten sollen. Woher auch? Ihre Eltern, Lehrer oder Ausbilder wissen es oft selbst nicht. Und da müssen wir ansetzen.

Wir haben aktuell unglaublich viele Chancen, die Zukunft positiv zu verändern. Diese Chancen müssen wir erkennen, mit beiden Händen packen und aktiv werden.

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