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Jobaussichten 2017 (3)
Gute Karten für Entwickler

Von Medi Gwosdz, Eva Fiene am 19.12.2016 - 10:15 Uhr

Foto: depositphotos.com / carloscastilla
Jobaussichten Ingenieure: Kopf zwischen Einsen und Nullen

Kaum ein Unternehmen kann auf sie noch verzichten: IT-Experten. Natürlich ist der Hauptgrund für die große Nachfrage die Digitalisierung der Arbeitswelt. Stefan Schwarzgruber, Country Manager DACH bei Stack Overflow, der Plattform für Entwickler, weiß, welche Profile gefragt sind – und warum Absolventen nicht das erstbeste Angebot annehmen sollten.

Wie sehen momentan die Jobchancen in der Informationstechnologie aus?

Entwickler sind gefragt. 51.000 ITler fehlen laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) aktuell. Die Digitalisierung schreitet weiter voran und ist nun endlich auch in der Industrie angekommen. Doch wie beispielsweise die Initiative der Bundesregierung "Deutschland Digital" zeigt, herrscht hierzulande immer noch Aufholbedarf. Mit Entwicklungen wie dem "Internet of Things", also der zunehmenden Vernetzung von Geräten, Sensoren etc. via IP-Netz, wird der Bedarf nicht geringer. Dass Entwickler gefragt sind, wird sich also so schnell nicht ändern.

Allerdings heißt das noch lange nicht, dass sich ITler zurücklehnen können. Die Bewerbungsverfahren sind nach wie vor hart, ein aufrichtiges Interesse für das Unternehmen ist elementar. Entwickler sollten vorbereitet in die Vorstellungsgespräche gehen, Arbeitgebern Begeisterung und fachliche Fähigkeiten demonstrieren. Schließlich konkurriert man in immer mehr deutschen Unternehmen auch mit internationalen Bewerbern, die ebenfalls hervorragend qualifiziert sind.

Wen suchen die Arbeitgeber besonders dringend?

Das Thema Big Data ist sicher weit vorne, ebenso Cloud Computing. Für das "Internet of Things" sind darüber hinaus auch Embedded Entwickler gefragt. Daneben werden Mobil- und App-Experten häufig gesucht. Da die Digitalisierung der Unternehmen schnell voranschreitet, ist alles, was mit Industrie 4.0 zusammenhängt, ebenfalls ein rasant wachsender Bereich.

Ist der sogenannte Data Scientist ein Beruf der Zukunft? Und gibt es noch weitere zukunftsträchtige Jobprofile?

Diese Schnittstelle aus Statistiker und Entwickler ist sicher ein spannendes Zukunftsfeld. Vorhersagen lassen sich vielleicht aus den Technologien ableiten, die gerade besonders an Nutzerzahlen gewinnen: Das JavaScript-Webframeworks React und AngularJS sowie die Open-Source-Plattform Node.js sind hier zu nennen.

Welche Spezialisten werden besonders gut bezahlt?

'Dass Entwickler gefragt sind, wird sich so schnell nicht ändern', weiß Stefan Schwarzgruber, Country Manager DACH bei Stack Overflow.

Man sollte natürlich nie einfach die bestbezahlte Technologie oder einen Trendberuf wählen. Der Data Scientist beispielsweise steht an der Schwelle zwischen Statistiker und Entwickler, es schlagen also zwei Herzen in seiner Brust. Wem das nicht liegt, der sollte sich nicht darauf spezialisieren, nur weil sich hier gerade gute Jobaussichten bieten.

Natürlich hat jedes Fachgebiet seine Profiteure. Ganz klar sind das die Cloud Technology Experten und die Entwickler, die auf Lösungen für Fin-Techs spezialisiert sind. Full-Stack Entwickler beispielsweise mit JavaScript- Kenntnissen, die für die Cloud entwickeln oder mit React oder Redis arbeiten, verdienen besser als andere Full-Stack Entwickler. Im Bereich der Frontent-Entwickler sind es Spezialisierungen auf JavaScript, React, Node oder Angular, die zu besseren Tagessätzen führen.

Entwickler mit mathematischem Hintergrund, darunter erwähnte Data Scientists, oder mit Schwerpunkt auf maschinellem Lernen und Kenntnissen in Scala, Spakr oder Hadoop; Python und R liegen bei der Bezahlung etwa gleich auf, wobei es zweimal so viele Python-Entwickler im mathematischen Bereich gibt als R. iOS-Entwickler verdienen im Schnitt 9.000 Euro mehr im Jahr als ihre Android-Kollegen.

Natürlich ist es sinnvoll den Marktwert der jeweiligen Spezialisten zu kennen, aber man sollte alleine auf dieser Grundlage keine Weiterbildungsentscheidung treffen. Wichtig ist es vielmehr das zu machen, was einem selbst Spaß macht.

Welche Empfehlungen haben Sie: Wie machen sich ITler fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft?

Nach oder schon zum Ende des Studiums gilt: Man muss sichtbar werden. In der IT-Branche gibt es den aktiven Jobsuchenden gar nicht mehr so wirklich. Unternehmen werben oft gar nicht mehr nur einfach mit einer offenen Stelle, in der Hoffnung diese schnellstmöglich zu besetzen. Beide Seiten netzwerken. Für Entwickler heißt das: Die für sie interessanten Unternehmen in den Medien und sozialen Netzwerken verfolgen. Für Absolventen ist es sicherlich sinnvoll, auch Entwickler und Mentoren aus diesem Bereich online im Auge zu behalten.

Und dann sollte man einen Fußabdruck hinterlassen: Beispielsweise auf Github bei Open-Source Projekten, oder auf Stack Overflow natürlich. Bei Stack Overflow gibt es dazu die Developer Story: Hier kann man seinen Lebenslauf um Projekte erweitern, an denen man gearbeitet hat. So vermitteln die Entwickler einen Gesamteindruck vom eigenen Können. Für die Karriere später gilt: Freundschaften knüpfen. Knapp 25 Prozent der Entwickler finden einen Job über ihr persönliches Netzwerk.

Lebenslanges Lernen ist in dem Job selbstverständlich. Und für Deutsche gilt: Mehr Mut zur Gründung.

Bei all den guten Aussichten, gibt es auch Bereiche in denen der Einstieg eher schwierig ist?

Eine pauschale Aussage ist hier schwer möglich. Die Unterschiede zwischen Unternehmen sind größer als zwischen Branchen. Die Frage ist vielmehr: Was passt zu mir? Grundsätzlich haben junge Absolventen heute die Möglichkeit, in Konzerne und KMUs zu gehen, aber auch die Start-up Szene ist interessant.

Diese Entscheidung ist in erster Linie eine Typfrage. Hier sollte man die Richtung einschlagen, die für jeden Entwickler und jede Entwicklerin persönlich am meisten Attraktivität ausstrahlt.

Das Problem ist in der Tat nicht, überhaupt einen Job zu finden, sondern den wirklich interessanten. Für derzeit vom Arbeitsmarkt eher "verwöhnte" junge Entwickler und Absolventen gilt: Man sollte nicht einfach das erste gute Angebot annehmen, sondern vorher bewusst überlegen, wo man hin will. Vielleicht macht man sich dazu eine Liste der Technologien oder Themen, die man spannend findet, und arbeitet dann darauf hin. Auch wenn die Zeiten für Absolventen gut sind, sollten junge Talente nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen.

Wer ein Ziel vor Augen hat, sollte es bei den interessanten Unternehmen versuchen. Das Timing ist für beide Seiten oft auch Glücksache. Klopfen Sie bei einem Start-up beispielsweise eher nach der nächsten Finanzierungsrunde an. Bei großen Unternehmen sollten Sie es auch mehrfach versuchen.

Und auch wer seinen Traumjob nicht gleich erwischt, sollte nicht aufgeben. Der Weg zum Ziel ist nicht immer linear.

Über Stack Overflow

Stack Overflow bietet Entwicklern die Möglichkeit zu lernen, ihr Wissen zu teilen und sich der nächsten Herausforderung zu stellen. Neben der Q&A-Seite für die Kollaboration bei täglichen Problemen und Fragestellungen, bietet Stack Overflow außerdem die Tools Documentation und Jobs, um jeden Entwickler und jede Entwicklerin auf einer selbstbestimmten Laufbahn zu unterstützen.

Stefan Schwarzgruber verantwortet seit 2015 die Geschäftsentwicklung von Stack Overflow Talent im DACH-Markt. Der gebürtige Österreicher gehört seit 2012 Mitarbeiter zum Unternehmen und hat als erster Mitarbeiter im DACH-Team wesentlich zum Wachstum von Stack Overflow beigetragen. In dieser Phase war Schwarzgruber vor allem für den Ausbau des mittlerweile 15-köpfigen Teams zuständig. Gemeinsam betreut es Kunden wie Trivago, Zalando, BMW und die Metro Group.

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