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Jobaussichten 2017 (2)
Ingenieure: Die Zukunft ist digital

Von Eva Fiene am 16.12.2016 - 09:41 Uhr

Foto: depositphotos.com / Syda_Productions
Jobaussichten Ingenieure: Junger Ingenieur mit Schutzhelm und Tablett

In den vergangenen Jahren konnten sich Ingenieure die Jobs gewissermaßen aussuchen. Wie sind die Perspektiven für das neue Jahr und wie verändert die Digitalisierung den Ingenieursberuf? Dr. Norbert Lohan, Leiter des Karriereportals www.ingenieurkarriere.de beim VDI Verlag in Düsseldorf, hat mit uns über diese Themen gesprochen.

Herr Dr. Lohan, können sich Ingenieure 2017 zurücklehnen, was die Jobaussichten betrifft?

Zurücklehnen sollte sich eigentlich niemand. Wir stecken in allen Industrien in einem großen Transformationsprozess, das bestimmende Thema heißt Industrie 4.0. In fast allen Bereichen werden die Prozesse digitalisiert, und das hat Auswirkungen auf die Arbeit von uns allen.

Natürlich wird der Ingenieursberuf eine gefragte Ausbildung bleiben. Niemand muss sich jetzt Sorgen machen, dass er oder sie keine Arbeit mehr findet. Jedoch darauf zu vertrauen, dass einem die Jobs in den Schoß fallen, weil Ingenieure ja so gefragt sind, das wäre fatal.

Die meisten Ingenieur-Absolventen der TU9-Hochschulen, dazu gehören z.B. die TH München, KIT Karlsruhe, RWTH Aachen und die TU Berlin, haben keine Probleme mit dem ersten Job, sie werden frühzeitig, z.T. noch vor Ende des Studiums von den Unternehmen weggefischt.

Aber es gibt auch viele Absolventen, die von anderen Hochschulen aus mit einem Ingenieurabschluss in der Tasche auf die Arbeitswelt losgehen. Und hier habe ich den Eindruck, dass es durchaus sehr schwierig sein kann, ohne Zeitverlust eine geeignete Einsteigerposition zu bekommen.

Die Folge ist, dass sehr viele junge Ingenieure und Ingenieurinnen ihre Karriere bei einem Ingenieurdienstleister beginnen. Dies gilt zwar unter den Betroffenen meist nicht als der Königsweg, hat aber zumindest den Vorteil, dass man sich über verschiedene Projekte die so wichtige Berufserfahrung aneignen kann.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Ingenieursberuf aus?

Klassische Studiengänge wie Maschinenbau oder Elektrotechnik sind in den vergangenen Jahren IT-lastiger geworden: Der Ingenieur, der heute die Hochschule verlässt, ist zu einem gewissen Teil auch ITler. Die Unternehmen freut es, denn sie brauchen dringend Mitarbeiter, die die digitale Transformation vorantreiben.

IT-Kenntnisse sind also die Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt der Zukunft?

Jede Art von IT-Know-how, das den Unternehmen bei der Digitalisierung hilft, ist gefragt. Natürlich will der Ingenieur auch als solcher arbeiten, aber mit den passenden Informatik-Kenntnissen ist er oder sie noch besser aufgestellt.

Zudem sollte man sich nicht ganz so auf eine Branche versteifen, fachliche wie regionale Flexibilität werden zukünftig noch wichtiger sein. Selbstverständlich müssen Sie sich nicht verbiegen: Wenn Sie ein begeisterter Flugzeugfan sind, dann werden Sie in der Medizintechnik unter Umständen eher nicht glücklich.

Gibt es Branchen, die besonders boomen und wo viele Stellen für Ingenieure entstehen?

'Jede Art von IT-Know-how, das den Unternehmen bei der Digitalisierung hilft, ist gefragt', sagt Dr. Nobert Lohan, Leiter www.ingenieurkarriere.de.

Sicherlich existieren Wirtschaftszweige, in denen die Aussichten für Ingenieure sehr gut sind. Aber ich würde nicht sagen, dass diese der totale Jobmotor sind. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema erneuerbare Energien: Natürlich wachsen hier die entsprechenden Unternehmen, aber das heißt nicht, dass hier gleichzeitig viele neue Stellen geschaffen werden.

Was ich als Boomsektor bezeichnen würde, betrifft jedoch keine Branche direkt. Hier sind wir wiederum beim Thema Industrie 4.0: Für mich ist die digitale Seite der Wirtschaft der eigentliche Jobmotor. Jeder, der ein Unternehmen dabei unterstützen kann, die Prozesse beispielsweise in der Logistik, der Produktion, dem Marketing, dem Vertrieb oder auch im Personal zu digitalisieren, ist willkommen.

Ingenieure gehören seit langem zu den Spitzenverdienern. Wie werden sich die Gehälter zukünftig entwickeln?

Nach wie vor sind die Einkommen sehr gut, auch wenn sie in manchen Bereichen seit kurzem eher stagnieren. Das liegt an der Europäisierung der deutschen Wirtschaft: Viele Unternehmen stellen gerne Mitarbeiter aus den europäischen Nachbarländern ein, wo ein niedrigeres Lohnniveau herrscht, oder es werden Dependancen im osteuropäischen Ausland eröffnet. Das deckelt ganz klar die Gehälter hier bei uns in Deutschland.

Bei den Ingenieuren selbst gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede: Am unteren Ende der Skala liegen das Bauwesen und die Ingenieurbüros. Hier verdienen Einsteiger im Bauingenieurswesen 35.000 bis 37.000 Euro im Jahr, vor allem kleine Ingenieur- und Planungsbüros zahlen manchmal weniger als 35.000 Euro. Ingenieure mit deutlich mehr als 2 Jahren Berufserfahrung erreichen dann nur knapp mehr als 50.000 Euro im Jahr.

Mit einem überdurchschnittlichen Verdienst können Ingenieure im Fahrzeugbau und in der Chemie- und Pharmaindustrie rechnen. Einstiegsgehälter im Fahrzeugbau liegen häufig bei 45.000 bis 48.000 Euro im Jahr, erfahrene Ingenieure verdienen in der Chemie- und Pharmabranche nicht selten durchschnittlich um die 70.000 Euro.

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