SchlafforschungNickerchen und Entspannung sind wichtig - auch während der Arbeit
In Japan nennt man ihn Inemuri, in Spanien Siesta: Der Tagschlaf während der Arbeitszeit ist in anderen Ländern normal - in Deutschland ist er jedoch verpönt. Dabei kurbelt ein kurzes Mittagsschläfchen die Leistungsfähigkeit an. Wie lange sollte der Mensch eigentlich schlafen? Und wie viel "Napping" ist gesund? Schlafexperte Jürgen Zulley klärt auf.
"Schlaf ist sehr wichtig", meint der Gründer der Schlafschule Jürgen Zulley. "Denn Schlafmangel macht krank, dick und es schlägt sich auch auf unser Gedächtnis nieder." Der promovierte Medizin- und Bio-Psychologe weiß wovon er spricht: Er arbeit seit über 35 Jahren auf dem Gebiet der Schlafforschung.
Was passiert im Schlaf überhaupt? Risiken des Schlafmangels
"Viele glauben, dass Schlaf ein Ruhezustand ist. Das ist er aber definitiv nicht", meint Zulley. "Es ist hochaktiver Prozess: Da der Körper selbstregenerierend ist, finden im Schlaf wichtige Wachstums- und Speicherungsprozesse statt."
Bekommen wir zu wenig Schlaf, kann der Körper diese also nicht komplett verrichten. Es erhöht sich das Risiko von körperlichen und psychischen Erkrankungen. Der Schlaf-Psychologe fügt hinzu: "Die Gefahr, an einer Depressionen zu erkranken, steigt um das Vierfache. Auch ist es bewiesen, dass die Leistungsfähigkeit schlechter wird."
Und dabei ist es egal, ob wir Routineaufgaben verrichten oder mit anspruchsvollen Aufgaben beschäftigt sind - das Arbeitsergebnis wird schlechter sein.
Genug schlafen, auch mitten am Tag
Als Rhythmuswesen kann der Mensch nicht ohne Pausen leben, der Nachtschlaf ist sogar überlebenswichtig. Doch auch am Tage gebe es eine Phase, in der es besser wäre zu ruhen, meint Zulley. "Ob wir in der Mittagszeit schlafen, ist nicht ganz so wichtig. Wichtig ist es zu entspannen und abzuschalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Ruhe kurz sein muss, nämlich unter 30 Minuten. Sonst erzielt man nämlich die gegenteilige Wirkung."
Der Schlafexperte meint, dass Profis den "Powernap" oder das Mittagsschläfchen in 10 bis 15 Minuten schaffen. "Studien haben gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit danach um 35 Prozent steigt im Unterschied dazu, wenn Sie nicht schlafen würden. Auch sinkt so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um über 30 Prozent." Deshalb müsse die kleine Schlafpause im Büro eigentlich zum Pflichtprogramm gehören.
Schlafstörungen - Was tun?
Die häufigste Schlafstörung ist die Durchschlafstörung, meist sind Stress oder falsche Schlafgewohnheiten Ursache dafür. "Entspannung ist der Königsweg in den Schlaf". Außerdem rät der Schlafpsychologe zu drei Schritten: "Erstens: Sich informieren, was Schlaf überhaupt ist. Denn es gibt sehr viele falsche Vorstellungen und Erwartungshaltungen. Das müssen Sie korrigieren. Zweitens: Selber schauen. Wir nennen das schlafhygienische Regel.
Das bedeutet: Sie prüfen Ihren Tagesablauf. Bewegen Sie sich auch genug? Machen Sie Pausen? Kommen Sie abends runter?"
Der dritte Punkt sei die Entspannung: "Man soll nicht schlafen wollen, sondern entspannen. Entspannung können Sie durch spezielle Methoden erlernen und über diese finden Sie dann auch den Schlaf."
Wie viel Deutschland schläft
"Der durchschnittliche Deutsche geht um 23:04 ins Bett, steht um 06:18 Uhr auf und braucht eine Viertelstunde zum Einschlafen", erklärt Zulley. Mit sieben Stunden liegen wir laut Schlafexperte im gesunden Durchschnitt.
"Es gibt auch Personen, die mit fünf Stunden Schlaf auskommen. Andere benötigen dagegen neun. Doch Sie sollten nicht glauben, dass derjenige, der mit weniger Schlaf auskommt, irgendwie fitter und leistungsfähiger ist", ermahnt der Professor.
Aber es bringe auch nichts, das Gegenteil zu tun und gewungen länger zu schlafen, lenkt Zulley ein. Jeder, der schon einmal mit dicken Augen, vollkommen erschöpft nach 12 Stunden Schlaf erwacht ist, weiß das. "Also sollten Sie schon etwa bei den sieben Stunden bleiben."
Junger Nachtmensch, erwachsener Tagmensch
"Wie haben ja einen biologischen Rhythmus: Wir sind von inneren Uhren gesteuert, ob man es möchte oder nicht. Das merkt jeder, der beispielsweise in die USA fliegt und dann Jetlag hat", erzählt der Schlafforscher.
Dieser Rhythmus verändere sich aber mit der Lebenszeit. "Jugendliche können oft nicht um 23 Uhr schlafen gehen und sie sind um 8 Uhr morgens noch nicht ansprechbar. Mit dem Alter werden wir eher zu Morgen-Typen. Das heißt, wir gehen oft früher zu Bett und sind auch schon früh Morgens topfit," erklärt Zulley. Natürlich gelte das nicht für jeden, denn: "Wir sind ja nicht Maschinen, die nach der gleichen Seriennummer gebaut sind; es gibt auch Unterschiede."
Von Vera-Helena Nickelé
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