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Fragen im Bewerbungsgespräch - Teil 2

Was dahinter steckt und wie Sie reagieren sollten

6. Wie sind Ihre Gehaltsvorstellungen?

Gitte Härter: "Diese Frage versuchen die meisten Bewerber zu vermeiden. Besser wäre es doch, denken sie, wenn die Firma gleich sagen würde, was sie bezahlen wird. Ein Personalentscheider möchte die Vorstellungen des Bewerbers jedoch vorher kennen, um zu sehen, ob das Gehalt auch ins eigene Budget passt. Dabei ist es keineswegs so, dass ein Personaler darauf hofft, dass ein Bewerber weniger angibt, als man eigentlich zu zahlen bereit wäre. Ich habe selbst viele Gespräche geführt, bei denen Bewerber ihre Gehaltsvorstellungen extrem heruntergeschraubt haben, weil ihnen die Stelle und die Umgebung wichtiger waren als das Finanzielle. Leider haben einige ihre finanziellen Ansprüche dabei außer acht gelassen und kamen dann mit dem Geld nicht zurecht. Eine weitere Sorge vieler Bewerber ist, dass man sich selbst ins Aus katapultiert, wenn man einen zu hohen Gehaltswunsch angibt. Auch das ist unbegründet: Die Firma wird bei ehrlichem Interesse mit Ihnen drüber reden. Und wenn die Kluft zwischen dem, was die Firma zu zahlen bereit ist und Ihren Vorstellungen viel zu groß ist, dann kommt man eben nicht zusammen. Das lässt sich dann nicht ändern - außer Sie haben gepokert und sind weit über Ihre tatsächliche Vorstellung hinaus geschossen.

Tipp: Es empfiehlt sich, einmal getrennt aufzuschreiben: Was brauche ich zum Leben (Miete, Auto, Telefon, Lebensmittel, also alle Fixkosten)? Was sind Extras, auf die ich nicht verzichten will (Fitness-Studio, zweimal in Urlaub fahren)? Und dann können noch weitere Wünsche ans Gehaltslevel drauf kommen. Der Hintergrund: Sie müssen getrennt wissen, was sie brauchen, und was sie möchten. Verschaffen Sie sich so in Zahlen Klarheit darüber, wie weit Sie heruntergehen können bzw. inwiefern variable Zahlungen in Ihre Finanzplanung passen würden. Im Netz gibt es Gehaltstabellen. Diese sollten immer nur als Orientierung dienen, da Durchschnittsgehälter von vielen Aspekten abhängig sind: Von der Region, der Branche, der Ausbildung, der Berufserfahrung etc.. Gehaltsvorstellungen werden in der Regel als Jahresbrutto angegeben. Überlegen Sie sich immer vorher, auf welche variablen Bestandteile Sie sich einlassen würden. Denken Sie beim Argumentieren daran, dass eine Firma immer eine Investition tätigt: Sie gibt gerne Geld für einen Mitarbeiter aus, der dieses Geld auch wert ist - und dem Unternehmen etwas bringt. Wenn es also darum geht, ein höheres Gehalt zu verhandeln, dann heißt die Devise: Argumente in eigener Sache parat haben."

7. Was erwarten Sie von einem guten Chef?

Gitte Härter: "Diese Frage fällt in die Kategorie Meinungsfragen: Man möchte einfach mehr von dem Bewerber erfahren, sehen, wie differenziert er sich Gedanken gemacht hat. Speziell wenn es um Fragen rund um den Vorgesetzten geht, hat das natürlich auch einen direkten Bezug: Man kann schon erkennen, was an Führung und Persönlichkeit erwartet wird. Diese Frage gibt Ihnen die Möglichkeit, klar zu sagen, worauf Sie Wert legen - und gleichzeitig etwas mehr über sich zu verraten. Ich persönlich würde beispielsweise sagen: ‚Ich erwarte von einem guten Chef, dass er kompetent ist. Das heißt nicht, dass er alles wissen muss, denn Kompetenz heißt für mich auch, dass er seine eigenen Grenzen kennt und diese auch zugeben kann. Ich möchte grundsätzlich von meinem Chef etwas lernen können.' Oder: ‚Mein Chef sollte mir Vertrauen geben - und mir auch freie Hand lassen. Natürlich gehört dazu auch, dass ich von mir aus aktiv und offen bin: Ich bringe gerne eigene Ideen ein, muss diese dann aber natürlich vorher gut durchdenken und meinem Chef vorstellen. Wenn er sieht, dass ich besonnen und eigenverantwortlich herangehe, wird er mir eher freie Hand lassen können.' Diese Frage nützt Ihnen, weil Sie erstens Ihre tatsächlichen Ansprüche an einen Chef anbringen, zweitens weitere positive Eigenschaften von sich nennen und drittens dem Unternehmensvertreter - möglicherweise Ihr späterer Chef - direkt sagen können, was Sie sich von ihm erwarten. Ob diese Frage dazu führen kann, dass Sie abgelehnt werden? Das ist möglich. Das ist dann aber auch für Sie die richtige Entscheidung: Denn wenn Ihr künftiger Chef sich eine ganz andere Arbeitsweise vorstellt, dann würden Sie auch nicht zusammenarbeiten wollen und können. Und dazu ist das Bewerbungsgespräch ja da: Dass beide Seiten vorher abchecken, ob's passt.

Tipp: Denken Sie mal an Ihre bisherige Erfahrungen im Berufsleben - oder auch in der Schule und im Studium: Was fanden Sie an Autoritätspersonen bzw. Vorgesetzten gut, was nicht? Welche Ansprüche haben Sie an einen Vorgesetzten, was Ihre Stärken und Schwächen angeht? Machen Sie sich eine Liste und hinterfragen Sie diese genau, am besten mit Beispielen."

8. Wie gehen Sie mit Stress um?

Gitte Härter: "Bei dieser Frage kommt es darauf an, vor dem Gespräch ehrlich mit sich ins Gericht zu gehen und im Gespräch unbedingt abzugleichen, was Stress überhaupt bedeutet. Setzen Sie sich in Ruhe hin und schreiben Sie auf, was Sie stresst und wie sich das äußert. Ich gebe Ihnen ein Beispiel von mir: Auf die Frage, ob mir Stress etwas ausmacht, würde ich allgemein ‚Nein' sagen. Aber schauen wir mal ins Detail: Viel Arbeit und kurze Deadlines machen mir nichts aus. Ich kann gut mit Hektik umgehen - und auch viele Dinge gleichzeitig machen. Außerdem weiß ich, dass ich mich auf mein Gedächtnis, auf meine Konzentration und auf mein Handwerkszeug verlassen kann. Einschränkung: Ich würde das nicht als Dauerzustand wollen. Punkte, die mich tierisch stressen können, sind: Keinen Überblick über die zu erledigende Arbeit zu haben. Zu wissen, dass die Arbeit in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht machbar ist. Von Teammitgliedern abhängig zu sein, die nicht zu Potte kommen. Man sieht: Es ist wichtig, differenziert an die Frage heranzugehen. Was ist mit Stress gemeint? Was ist ein Beispiel dafür?

Tipp: Denken Sie nicht nur an Situationen, die Sie gestresst haben, sondern auch an Tätigkeiten, die Ihnen total zuwider sind oder vor denen Sie Angst haben. Auch das kann Stress verursachen. Vielleicht sind Sie jemand, der nicht gern ins kalte Wasser geworfen wird. Und es ist Ihnen deshalb wichtig, dass Sie bei einer neuen Stelle auch richtig eingearbeitet werden bzw. einen festen Ansprechpartner haben."

9. "Der Kunde ist König." Was halten Sie von diesem Spruch?

Gitte Härter: "Wieder eine typische Meinungsfrage. Es geht nicht nur darum, was ein Bewerber sagt, sondern vor allen Dingen, dass er erstens eine Meinung hat und zweitens wie er sie vertritt. Die Kunde-ist-König-Frage habe ich früher immer gestellt, wenn ich Mitarbeiter für meine Vertriebsmannschaft gesucht habe. Fast jeder Bewerber hat sofort zugestimmt und eifrig mit dem Kopf genickt. Wer jedoch schnell zustimmt, weil es wahrscheinlich erscheint, dass es das ist, was das Gegenüber hören will, entlarvt sich spätestens, wenn er seine Meinung begründen soll. An der folgenden Antwort konnte man sofort erkennen, ob jemand sich wirklich Gedanken macht und sich auch im Gespräch die Zeit zum Nachdenken nimmt. Übrigens wissen Sie nie, was bei Ihrem Gegenüber ankommt. Als Vertriebsleiterin war mir dieser Kunde-ist-König-Spruch immer suspekt. Denn ich wollte nicht, dass meine Leute so ein schräges Bild von Unternehmen-Kunden haben. Mir war wichtig, dass man sich als gleichberechtigte Partner begreift und achtet.

Tipp: Überlegen Sie sich vor dem Gespräch je nach Fachgebiet und Stelle, welche Fragen kommen könnten und beantworten Sie diese für sich selbst mit Ihrer eigenen Meinung. Überlegen Sie sich auch ein Beispiel dazu. Wenn es eine Frage ist, die Sie überrascht, leiten Sie Ihre Antwort einfach ein mit ‚Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt, aber spontan würde ich sagen, dass ...'. So haben Sie auch für sich selbst nicht den Anspruch, die perfekte Antwort zu liefern, und können beweisen, dass Sie schnell denken und sich trauen, eine spontane Meinung zu äußern."

10. Sie haben mich noch nicht überzeugt: Warum sollten wir gerade Sie einstellen?

Gitte Härter: "Erstmal ruhig Blut: Die Firma ist an Ihnen interessiert, sonst hätte man Sie gar nicht eingeladen. Und diese Frage, die bei vielen Bewerbern auf der Fragenhassliste ganz oben steht, ist gleichzeitig ‚Die Frage aller Fragen': Ja, warum denn? Wenn es auf diese Frage keine überzeugende Antwort gibt, dann kann es mit der Stelle ja nichts werden. Und wenn Sie keine Gründe dafür haben, wer sonst? Mit Extremen können Sie hier meines Erachtens bloß gehörig in den Kuhfladen steigen: Ob mit aufgeblähtem Ego (‚Einen besseren wie mich kriegen Sie gar nicht!'), mit arroganter Gegenfrage (‚Sagen Sie mir erst einmal, warum ich bei Ihnen anfangen sollte!') oder mit Schulterzucken (‚Weiß ich jetzt auch nicht!'). Hier ist schlicht und ergreifend gesundes Selbstbewusstsein gefragt.

Tipp: Wer sich von Haus aus gut vorbereitet hat, wird sich auf diese Frage freuen, weil er oder sie sich diese Situation schon lange vor dem Gespräch ausgemalt hat - nämlich noch bevor die erste schriftliche Bewerbung rausging. Das ‚Warum ich?' hat drei Aspekte: Was habe ich fachlich zu bieten? Was habe ich persönlich zu bieten? Was bringe ich speziell für diese Tätigkeit und für dieses Unternehmen mit? Sie sehen schon, dass ein Großteil dieser Frage sich wiederum auf Ihre persönlichen Eigenschaften und Ihre Stärken bezieht. Idealerweise wird sie erst gar nicht gestellt - oder nur als Sahnehäubchen. Weil Sie nämlich schon vorher im gesamten Gespräch von sich überzeugen konnten."

Seit 1999 leitet Gitte Härter gemeinsam mit Christine Öttl das Beratungs- und Trainingsunternehmen objektiv. in München. Ihre Beratungsschwerpunkte sind Selbstmarketing, Bewerbung und Karriere. Zuvor war Härter jahrelang im Management eines internationalen Medienkonzerns tätig und hat vielfach am eigenen Leib erfahren, wie Bewerbungsgespräche ablaufen können.

Linktipp:
Die Homepage von Gitte Härters und Christine Öttls Beratungsunternehmen objektiv. unter www.selbstmarketing.de.






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