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Jahresausblick Jens Ohle

Karriere 2012: Zwischen den Welten wandeln

Dieser Jahresausblick auf den akademischen Arbeitsmarkt in Deutschland und die daraus resultierenden Rahmenbedingungen für Ihre Karriere erscheint nun zum sechsten Mal. Was bringt Ihnen die Lektüre der nächsten Zeilen?

Zum einen ein möglicher Anstoß zur Reflektion der eigenen Karriereentwicklung. Andererseits zeigt dieser Blick auf das sogenannte große Ganze auf, welche Einflussfaktoren Sie beobachten sollten und kann Sie so bei Ihren ganz persönlichen Entscheidungen in 2012 unterstützen.

Der Arbeitsmarkt: Ein nachlaufender Indikator

Die Korrelation von Konjunktur und Arbeitsmarkt ist zeitlich versetzt: Konjunkturindizes laufen etwa sechs Monate dem allgemeinen Arbeitsmarkt voraus. Nur bei "extern" induzierten Schocks, wie in 2001 ("11. September") oder 2008 ("Lehman-Pleite"), geht alles ganz schnell: Innerhalb von zwei Wochen werden Einstellungspläne "eingefroren".

Schaut man etwas genauer hin, laufen bestimmte Branchen dem Zyklus voraus (Halbleiter) oder hinterher (Anlagenbau). Auch der Markt für Hochschulabsolventen, die nach Einstiegspositionen suchen, agiert meist etwas verzögert.

Welche Indikatoren eignen sich dann, um in Prognosen eingebunden zu werden? Generell stehen die globalen Aktienmärkte im Verdacht, die Konjunkturentwicklung gut zu antizipieren. In der Tat ließen sich stetig fallendende Aktienmärkte in 2000/2001 sowie 2008 beobachten, bevor die beiden großen Arbeitsmarktkrisen einsetzten.

Zusätzlich betrachten wir seit der Krise 2002 auch regelmäßig die Entwicklung des Konjunkturklimaindex vom Münchner ifo Institut. Die Besonderheit dieser Konjunktureinschätzung ist die simple, aber effektive Tatsache, dass Industrie- und Dienstleistungsunternehmen nach Lage und Erwartungen getrennt befragt werden. So können wir zwischen aktueller und erwarteter Lage differenzieren.

Beide Dimensionen auf eine Vierfeldmatrix abgetragen, ergibt ein effektives Instrument auch zur Einschätzung der Arbeitsmarktentwicklung. Ich kann aus meiner Erfahrung bestätigen, dass der ifo-Geschäftsklimaindex stark mit den Recruiting-Aktivitäten der großen deutschen Arbeitgeber im akademischen Bereich korreliert.

Zunächst zum Einstieg ein kurzer Blick zurück auf die Makro-Entwicklung in 2011.

Die fabelhafte Welt des Schuldensuperzyklus

Das Jahr 2011 war durch etliche Ereignisse gekennzeichnet, die nicht nur Analysten und Journalisten deutlich überraschten. Zugegeben, die Finanzierung des griechischen Staatsapparats war schon Anfang 2011 ein Thema. Doch das die Anleihemärkte sich weigern Italiens Staatsschulden zu finanzieren, war eine faustdicke Überraschung.

Ebenso überraschte die entstandene Dynamik einer massiven Kapitalflucht aus dem europäischen Süden und Frankreich nach Deutschland, in die Niederlande sowie die USA. Dazu kam der "Arabische Frühling", welcher über die Ölversorgung der Industrieländer erste Spannungen in die Weltkonjunktur brachte und noch größeres Potential birgt. Auch die Naturkatastrophen in Japan sowie Thailand zeigen die Anfälligkeit einer globalen Arbeitsteilung.

Und trotz all dieser unsicheren, teilweise düsteren Ereignisse: Deutschland meldet Beschäftigungsrekorde bis in den Dezember 2011. Die USA veröffentlichten in der ersten Januar-Woche positive Arbeitsmarkzahlen. China steigerte sein Bruttosozialprodukt um 9% auf Jahressicht und wächst weiter.

Ignorieren die weltweiten Marktführer also Staat und Politik, eröffnen ihr eigenes globales Spielfeld und koppeln sich von volkswirtschaftlichen und länderspezifischen Rahmenbedingungen ab? Dies ist eine verlockende, aber zu einfache These.

Konjunkturentwicklung 2012: Internationale Großwetterlage und der Jobmarkt

Nun ein Blick auf die beiden oben beschriebenen vorauflaufenden Indikatoren sowie zwei ergänzende Sichten auf die Weltkonjunktur:

Deutschland erlebte im Jahr 2011 seine stärkste Phase im aktuellen Konjunkturzyklus. Doch der deutsche Aktienindex DAX konnte seinen Jahresanfangsstand von 7.000 Punkten zunächst nur zur Jahresmitte halten und korrigierte bei einem 2011er Schlussstand von ca. 5.900 Punkten um gut 15%.

Gerade weil die Aktienmärkte damit wohl nicht die teilweise rekordverdächtigen Unternehmensgewinne deutscher Konzerne ausreichend honorieren, stehen die Unternehmenslenker aktuell mehr unter Kostendruck als noch vor zwölf Monaten. Einstellungen für unterstützende Bereiche oder große Investitionsprojekte könnten damit wieder unsicherer oder zeitlich verschoben werden. Fazit: Die Unternehmensbewertungen senden ein Gelb für die Entwicklung der "Job-Ampel".

Die Analyse der ifo Konjunkturuhr (auf der Seite recht weit nach unten scrollen) zeigt einen Abschwung der Erwartungen an, wobei die Lage noch gut bis hervorragend ist. Der Index folgt aktuell dem klassischen Verlauf eines Konjunkturzyklus. Der Aufschwung startete im oberen linken Feld, bewegte sich in den Boom-Quadranten oben rechts und rutscht nun ab. Nicht zwingend muss dieser Weg direkt in eine Rezession münden, wie etwas in den 90ern. Im letzten Jahrzehnt ergab sich nach den zwei Booms wie in 2011 nur dieser Weg. Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands hat seinen Höhepunkt überschritten und die "Fallrichtung" des sich abschwächenden ifo-Index wird für das Jahr 2012 entscheidend werden. Rutschen wir schnell in den Rezessionsbereich ab oder "berappeln" wir uns in einer Art Kreiselbewegung im Abschwungbereich? Fazit: Der ifo-Konjunkturindex sendet ein Gelb bis Dunkelgelb für die Entwicklung der "Job-Ampel".

Aus volkswirtschaftlicher Sicht wurde allen sogenannten "Entwickelten Industrieländern" (USA, Japan, Europa) eine "Nullzins-Politik" verordnet: Die kurzfristigen Zinsen liegen nahe Null und deutlich unter der Inflationsrate. So versuchen Notenbanken den Regierungen dieser Länder und teilweise auch den Privathaushalten eine günstige (Re-)Finanzierung ihrer Schulden zu ermöglichen.

Während diese Politik grundsätzlich positiv für die Konjunkturentwicklung sein sollte, stellen die Grundursachen dieser Zinspolitik, also die ungesunden Verschuldungsstände dieser Regionen, ein erhöhtes Risiko für Störungsfälle dar. Anzeichen dafür ist die hohe Frequenz hektisch einberufener bilateraler oder EU-weiter Krisengipfel. Oder die Milliardensumme, die Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) "parken", anstatt sie zinsbringend zu verleihen. Ein EU-Bankencrash ist ein nicht mehr auszuschließendes Risiko. Dieser käme einer schweren "Betriebsstörung" gleich und könnte für die Unternehmensmärkte einen exogenen Schock mit entsprechend negativen Folgen für die Beschäftigung darstellen. Fazit: Die volkswirtschaftliche Makrosituation sendet ebenfalls ein "Dunkelgelb" für den Jobmarkt.

Dagegen hat sich in den USA nach einer Schwäche im Spätsommer die Konjunktur zuletzt wieder deutlich stärker entwickelt, denn die Politik des billigen Geldes stimuliert die dortige Wirtschaft. China bremst nach eigenem Bekunden die Wirtschaft, um die starke Preisentwicklung im Lebensmittelbereich und die Überhitzung im Immobilienbereich in den Griff zu bekommen. Die globalen Signale sind weniger klar und die Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik könnte sich in 2012 durchsetzen - oder aber noch bis in 2013 verschoben werden.

Zwischenfazit: Noch ist der Druck aus 2011 nicht entwichen, aber konjunkturelle Wolken zeigen sich deutlich. Im Falle eines exogenen Schocks (als Katalysator) würde die tendenziell langsam aufziehende Bewölkung schnell in ein Gewitter übergehen.

Die Stimmung in den Unternehmen: Weiterhin noch gut!

Für die finale Genehmigung neuer Stellen ist neben der wirtschaftlichen Lage auch die Stimmung in den Unternehmen relevant. Wie ist sie im Hinblick auf die Jobentwicklung?

Die sinkenden Erwartungen sind bis auf wenige Ausnahmen noch nicht wirklich angekommen, wie mir Kollegen aus dem Hochschul-Recruiting, der Personalberatung und Kollegen von Kelly Services aus der Zeitarbeitsbranche berichten. Im Budgetzyklus im letzten Herbst haben sich noch einige Unternehmen für neue Investitionen und neue Stellen entschieden.

Diese Entwicklung wird dadurch gestützt, dass unsere Kunden auch für 2012 noch Sonderbudgets für Recruiting-Projekte genehmigt bekommen haben oder in dieses Jahr "hinüberretten" konnten.

Die Thesen einer negativen demographischen Entwicklung und des Fachkräftemangels kann man weiterhin schon fast als Mantra vieler Unternehmensentscheider bezeichnen. Man scheut immer häufiger "harte Maßnahmen" im Talentebereich.

Fazit: Die Stimmung aus den Unternehmen sendet weiter Grün für die "Job-Ampel"

Taktik: Kein Weltuntergang nach 2012, aber handeln Sie defensiver

Einstiegs- und Wechselpläne sollten Sie zügig verfolgen und nicht bis in den Herbst 2012 verschleppen. Die konjunkturellen Unsicherheiten sind deutlich geworden, und noch sind die Unternehmen in Einstellungslaune.

Trotz des Kampfes um Talente gilt weiterhin: Einstellungszahlen können sich schlagartig ändern. Selbst wenn im ersten Vierteljahr nur der geplante Teil der neuen Positionen besetzt ist, kann ein Telefonanruf des Vorstands eine Nullrunde im zweiten und dritten Quartal vorgeben. Im vierten Quartal sollen dann die restlichen neuen Kollegen gesucht werden - oder auch nicht.

Somit verbieten sich (wieder) langwierige "Zockereien" um das noch bessere dritte Traumangebot oder etwa studienverlängernde Maßnahmen als Alternative zu einem baldigen Jobeinstieg. Wenn eine Rezession in 2012 vermieden werden kann, dann dürfte 2013 entsprechend stürmischer werden.

Wenn Sie als Professional die Absicht verfolgen den Job zu wechseln, sollten Sie das Kriterium "Stabilität des neuen Umfelds" für Ihre Entscheidung höher gewichten als in den letzten beiden Jahren. Recherchieren Sie sehr gründlich und versuchen Sie über Referenzen von Kollegen, Freunden und Personalberatern ein realistisches Bild zu bekommen.

Wir vermuten, dass das auf Beschäftigungsseite gute 1. Halbjahr 2012 Gefahr läuft zu erodieren, und hoffen, dass es bei einem gemäßigten Konjunkturabschwung bleibt.

Falls Sie keinen Jobwechsel anstreben, aber etwas intensiver an der Blaupause Ihres persönlichen Karriereplans arbeiten möchten: Strategische Denker lenken ihre berufliche Entwicklung in Richtung der globalen Megatrends wie Energie, Rohstoffe, Infrastruktur, Asien oder Projektarbeit.

Warum nicht aus dem Status des angestellten Beraters geplant in die Selbstständigkeit wechseln? Viele Research-Studien prophezeien: Projektarbeit, gestützt von einer immer stärker vernetzten und zusammenarbeitenden Welt, wird stark wachsen.

In einem proaktiven Engagement für die eigene Karriereentwicklung steckt natürlich jede Menge Arbeit. Aber es gibt häufig mehr Möglichkeiten, wenn man sich damit strukturiert und regelmäßig auseinander setzt.

Ist das nächste Wochenende vielleicht der richtige Startpunkt für Sie!? Dann ran!

Viele Wünsche für Gesundheit, Beruf und Privates in 2012!

Ihr Jens Ohle






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