Zwischen Entertainment und InformationPräsentationstechniken
"Tritt frisch auf, mach's Maul auf, hör bald auf!" Auf diesen kurzen und deftigen Nenner brachte Martin Luther die Kunst des Redens. Dass es meist nicht ganz so einfach ist, weiß jeder, der schon mal einen Vortrag gehalten hat. Reden will gelernt und geübt sein.
Nackter als beim Sonnenbad fühlen sich viele Menschen, wenn Sie an einem Redner-Pult stehen - vor Ihnen ein Saal mit Zuhörern. Zuhörer, die in der Vorstellung ängstlicher oder zaghafter Redner mehr Ähnlichkeit mit einer blutrünstigen Raubtier-Meute denn mit einer Gruppe Freunde haben. Dass derart negative Gedanken unmittelbar das Stressniveau des Vortragenden beeinflussen - und damit dessen Mimik, Gestik und Erscheinungsbild -, ist evident. Erfolg versprechender ist es, positiv zu denken und dem Publikum partnerschaftlich gegenüber zu treten. Deshalb lautet die erste Regel für eine gute Präsentation, die Sie verinnerlichen sollten: "Ich bin gut!"
Sie selbst müssen vom Thema Ihres Vortrags überzeugt und begeistert sein, erst dann können Sie auch Ihre Zuhörer für das Thema Ihrer Rede gewinnen.
Aller Anfang ist schwer
Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre ersten rhetorischen Gehversuche, an die Stunden der Vorbereitung, das bedrückende Gefühl beim Gang ans Rednerpult, an die Angst, sich zu verhaspeln oder daran, dass Sie die schönsten und wichtigsten Stellen Ihrer auswendig gelernten Rede letztlich dann doch vergessen haben. Keine Sorge, nur weil Sie vielleicht nicht auf Anhieb die richtigen Worte zur richtigen Zeit und das richtige Verhältnis zu Ihrem Publikum gefunden haben, heißt das nicht, dass Sie kein Talent zum Vortragen haben. Reden ist erlernbar. Das haben bereits die alten Römer erkannt: "Poeta nascitur, orator fit." ("Ein Dichter wird geboren, ein Redner dagegen wird gemacht.")
Schon in der Antike wurde eine lehrbare Rhetorik entwickelt, dabei kommt die wohl älteste Präsentationstechnik ohne viele Worte aus: das Zeigen eines Gegenstands. Bei der Leichenfeier für den ermordeten Caesar ließ Antonius dessen blutbeflecktes Gewand ausstellen und brauchte so nur wenige Worte, um das Volk gegen die Caesar-Mörder aufzupeitschen.
Ohne Worte
Antonius, römischer Feldherr und Gefolgsmann Caesars, machte sich eine überaus wirkungsvolle Technik zunutze: das Visualisieren. Weil Menschen ihren Alltag gewöhnlich mit Augen und Ohren wahrnehmen, ist ein Vortrag bei dem Inhalte nur mündlich vermittelt werden und die zweite Sinneswahrnehmung, das Sehen, nicht angesprochen wird, einseitig. Daher gilt: Zuhörer verstehen und erinnern das Gesagte besser, wenn sie es auch sehen.
Ein gutes Beispiel dafür, welchen Effekt die Visualisierung bei einer Rede oder einem Vortrag hat, zeigt die vor einigen Jahren stattgefundene Debatte im Deutschen Bundestag zur Massentierhaltung. Das Vorzeigen eines DIN A4-Blattes verdeutlichte den Zuhörern, wie eng ein Käfig für Legehennen ist.
Durch Visualisierungen werden nicht nur schwierige Inhalte leichter verständlich, der Vortragende setzt auch Schwerpunkte in seiner Präsentation und reduziert die Gefahr von Missverständnissen durch die Wahrnehmung über zwei Lernkanäle.
Zu den am häufigsten eingesetzten Visualisierungstechniken zählen Tafel, Flipchart, Tageslichtprojektor oder Powerpoint-Präsentationen. Welche Sie einsetzen, hängt vom Thema Ihres Vortrages ab und Ihrem persönlichen Geschmack. Bedenken Sie bei der Wahl der Visualisierungstechnik, dass Zuhörer Ihren Gedanken in aller Regel besser folgen können, wenn Sie diese schrittweise und während des Vortrages entwickeln, statt nacheinander fertige Folien auf die Wand zu projizieren. Auch kann es sinnvoll sein, während eines Vortrags mehrere Techniken zu nutzen, etwa indem Sie einführend mit PowerPoint arbeiten, dann aber Kernaussagen an einem Flipchart Schritt für Schritt entwickeln. Der Wechsel der Medien unterstützt den dramaturgischen Aufbau Ihrer Präsentation.
Wichtig bei der Nutzung aller Techniken ist, dass der Präsentierende im Mittelpunkt bleibt. Zuviel Technik und visuelle Mittel verwirren die Zuhörer im Zweifelsfall mehr als dass sie nützen. Wer statt mit guten Argumenten vor allem mit Beamer, Laptop, Charts und Tabellen bewaffnet ist, sollte bedenken, dass auch die modernste multimediale Technik eine schlechte Präsentation nicht retten kann. Gehen Sie daher also lieber sparsam mit Zahlen und Kurven um - setzen Sie sie nur dann ein, wenn sie zentrale Punkte Ihrer Argumentation unterstützen.
Software-Kenntnisse ersetzen nicht die Kunst des Vortrags und wichtiger als die äußere Form einer Präsentation ist letztlich stets der Inhalt. Oder, wie der Journalist Manfred Engeser vor einiger Zeit in der Wirtschaftswoche schrieb: "Glaubt jemand ernsthaft, dass Martin Luther Kings Anti-Rassismus-Rede ‚I have a dream' mehr Kraft entwickelt hätte, dank Power-Point?"
Ein paar Regeln
In drei Schritte unterteilt man heute zumeist eine Rede. Die "goldene Regel" des Aufbaus - "Tell the audience what you are going to say, say it, and then tell them what you have said" - verweist auf die Abfolge von Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Erklären Sie dem Publikum zunächst, welche Bedeutung das Thema hat, und gehen Sie auf Ziel, Gliederung, Ablauf und Dauer Ihrer Präsentation ein. Im Hauptteil folgen dann Kapitel für Kapitel Ihre Kernbotschaften. Aussagen, die wichtig sind, können Sie rhetorisch besonders hervorheben, indem Sie beispielsweise sagen: "Dieser Punkt ist besonders wichtig ..." oder "Diese Aussage ist von entscheidender Bedeutung ...". Greifen Sie zum Schluss Ihre Einleitungsthese wieder auf. Grundsätzlich gilt: Sagen Sie das Allgemeine vor dem Konkreten, das Unwichtige vor dem Wichtigen und die schlagende These am Schluss.
Bevor Sie beginnen, Ihre Präsentation auszuarbeiten, ist es ratsam, sich zunächst die Kernausssagen zu vergegenwärtigen und den Vortrag dann ausgehend von diesen Kernaussagen zu entwickeln. Bedenken Sie unbedingt, welches Vorwissen Ihre Zuhörer haben. Ein fachkundiges Publikum mit Basiswissen zu langweilen ist ebenso unklug wie eine nicht vorgebildete Zuhörerschaft mit detailliertem Expertenwissen zu überfordern. Achten Sie auf ein gemäßigtes Tempo beim Sprechen. Grundregel: Das Sprechtempo darf nicht schneller sein als das Verstehen beim Zuhörer.
Löwenbändiger oder Scheibenwischer?
Um festzustellen, wie Ihr Vortrag ankommt, achten Sie auf die Zuhörer. Beobachten Sie die Reaktionen im Auditorium, und stellen Sie Augenkontakt zu den Anwesenden her. Der Blickkontakt wird als Gefühl der Wertschätzung verstanden. Versuchen Sie, möglichlichst viele oder alle Zuhörer zu beobachten ("Löwenbändiger"). Achten Sie aber darauf, den Blickkontakt weder zu schnell zu ändern ("Scheibenwischer"), noch zu lange an ein oder zwei Personen zu "kleben". Wenn es Sie zuviel Anspannung kostet, den Zuhörern direkt in die Augen zu schauen, fixieren Sie einfach die Stirn oder die Nasenwurzel - das hilft.
Stellt sich trotz bester Vorbereitung Ihrerseits auffallende Müdigkeit oder Desinteresse bei einzelnen Zuhörern ein, bewerten Sie dieses nicht gleich über oder lassen sich dadurch verunsichern. Bedenken Sie: Sie können nicht allen gerecht werden. Und rufen Sie sich die Worte des großen Redners Demosthenes ins Gedächtnis, der auf die Frage, was die wichtigste Übung für einen Redner sei, ohne Zögern antwortete: der Vortrag, der Vortrag und nochmals der Vortrag.
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