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Job-Frust

"Mein Frust-Job macht mir keinen Spaß!" - "Na, und? Dann ändere das doch..."

Aktuell erleben wir eine weltweite Krise: Die Finanzsysteme wackeln, bei der Güterproduktion tun sich in atemberaubendem Tempo Überkapazitäten auf. Die aktuellen Anpassungen sind für viele von uns schmerzhaft, der Ausblick auf die nächsten Jahre fällt eher verhalten aus. Aber egal in welcher Zeit wir uns gerade befinden, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Job ist ein immer wiederkehrendes Phänomen in vielen Arbeitsbiographien. Manche erleben dieses Leiden seltener und intensiver, bei anderen kommt das so regelmäßig vor wie die Wintererkältung oder der Heuschnupfen im Frühjahr, geht dann aber ebenso schnell wieder vorüber.

Ein kurzes Plädoyer für Realitätsnähe.

Schieben Sie auch Frust in Ihrem aktuellen Job? Fühlen Sie sich durch die Überschrift dieses Beitrags angesprochen? Wir möchten Sie heute dazu anregen, Ihren persönlichen Jobfrust einmal genau zu analysieren und dafür eine neue Perspektive einzunehmen. Die erste, für viele sicherliche erstaunliche Gedankenanstoß dazu: Arbeit muss keinen Spaß machen. Der zweite: Es ist egal, für wen und wo Sie arbeiten. Vielleicht liegt Ihr Frust gar nicht an Ihrem Job sondern an Ihnen. Sie müssen zu Ihrem aktuellen Job eine positive Einstellung finden. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie sich auch in der nächsten Position nach der üblichen Anfangseuphorie wieder in der gleichen unbefriedigenden Situation wiederfinden. Anders ausgedrückt: "Kündigung, nur eine Pinkelpause im ewig gleichen Film?" ("Das Frustjobkillerbuch" - siehe unten)

Und apropos: Auch das Studium ist in dieser Hinsicht wie ein Job: Die hier getroffenen Aussagen und Empfehlungen lassen sich einfach auf Ihren Hochschul-Frust übertragen.

"Arbeit muss Spaß machen" - Eine falsche Erwartung

Mit einer Aussage wie "Arbeit muss keinen Spaß machen" bin ich schon häufig auf Unverständnis gestoßen; manchmal schlug mir von eigentlich entspannten Zeitgenossen sogar spontane Feindseligkeit entgegen. Nach einer fast dreißigjährigen Phase wirtschaftlicher Prosperität liegt es natürlich nahe, nicht nur nach den materiellen Grundbedürfnissen und einer sinnhaften Beschäftigung zu verlangen. Nein, Arbeit muss sogar Spaß machen!

Warum kann diese Forderung gefährlich sein? Zum einen sollte es nicht die erste Priorität sein, sich nach einem Job umzuschauen, der Spaß macht. Wichtiger ist es, einen Beruf zu finden, in dem wir unsere Stärken möglichst gut ausspielen und entwickeln können, damit Ergebnisse erzielen und erfolgreich sind. So heißt die entscheidende Frage nicht "Was macht mir Spaß", sondern eher "Was kann ich gut?".

Zum anderen neigen wir dann dazu, zu unreflektiert, zu hastig aus der Aussage "Mein Job macht mir keinen Spaß" die Konsequenz zu ziehen, in einen neuen Job zu flüchten. Angeraten ist ein solcher Schritt natürlich dann, wenn Sie feststellen, dass Sie in Ihrem Job keine Chance haben, Ihre Stärken ausreichend einzubringen und zu entwickeln. Einer Arbeit nachzugehen, die einem die ganze Zeit Spaß macht, ist ein Privileg und kann sogar nur für eine äußerst kleine Gruppe der arbeitenden Bevölkerung gelten. Eine Gesellschaft, in der "Spaß" Grundvoraussetzung für die Aufnahme von Arbeit ist, wäre vermutlich nach 24 Stunden am Ende. Spaß ist zwar wünschenswert, aber wir machen uns das Leben allzu schwer, wenn wir ihn zum Dreh- und Angelpunkt unserer beruflichen Existenz machen.

Fazit bisher: Zwischen etwas "gerne tun" und etwas "gut tun" gibt es höchstens zeitweise einen Zusammenhang. Wer mit diesem Gedanken noch hadert oder mehr dazu lesen möchte, dem empfehle ich, im Internet bei brandeins vorbeizuschauen: Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß? Nein? Nicht schlimm! Alles andere wäre eine Ausnahme (brandeins, 07/05).

Ihr aktueller Job ist vermutlich der beste, den Sie bekommen können.

In Umfragen von Kollegen wie in unseren eigenen konnten wir über zehn, fünfzehn Jahre lang immer wieder das gleiche Muster messen: Nur etwa 20 Prozent aller akademischen Berufstätigen im Alter bis zu vierzig Jahren ignorieren neue Jobangebote völlig. Im Umkehrschluss: Die anderen 80 Prozent sind für neue Jobs zumindest offen oder suchen sogar aktiv danach.

So konstant sich diese Befunde alle zwei Jahre wiederholten, so unterschiedlich und wenig vergleichbar waren die persönlichen Situationen, in denen sich unsere Befragten befanden. Demnach sind die Wechselmotive vielfältig: "Zu wenig Geld", "zu wenig Anerkennung", "zu viel Einmischung vom Chef", "zu viel nervende Kollegen", "zu viele übertrieben anspruchsvolle Kunden", "zu wenig Zeit für Privates", etc.

Was dann folgt wird immer häufiger als der "Jobwechsel Automatismus" bezeichnet: Gerade in konjunkturell guten Zeiten wird flink ein neuer Job gesucht und das alte, vermeintlich miese Umfeld hinter sich gelassen. Aber was, wenn es sehr wahrscheinlich wäre, dass es einem in diesem nächsten Job nach zwei, drei Jahren erneut so ergeht? Was, wenn uns die gleichen Probleme erneut wieder auflauern?

Dann könnte es fast sein, dass der Job, den Sie gerade haben, schon der richtige ist. Vielleicht haben Sie falsche oder zu hohe Erwartungen? Vielleicht ergreifen Sie einfach zu schnell die Flucht? Vielleicht sind Sie nicht selbstkritisch genug?

Es waren wohl diese Gedanken, die zwei junge Akademiker dazu veranlassten, von der eigenen Odyssee nach dem vermeintlich perfekten Job zu abstrahieren, zu recherchieren und ein Buch mit einem völlig anderen Ansatz zu schreiben.

Das Frustjobkillerbuch: Schluss, mit der Illusion, beim nächsten Job wird alles besser!

Wie im Titel kommt die Sprache auch im gesamten Buch recht flapsig daher. Das sollte die Leser aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autoren ihnen einiges abverlangen. Denn sie räumen mit lieb gewonnenen Illusionen auf: Müssen Sie dauernd dem perfekten Job hinterher rennen bzw. gibt es ihn überhaupt? Ist es nicht viel effektiver, sich zunächst mit Ihrem aktuellen Job viel intensiver auseinander zu setzen als üblich?

Das erfordert eine große Portion Offenheit und Mut, sich auf Sie selbst einzulassen. Selbstkritik und -reflexion als Voraussetzung nicht nur für den Erfolg im aktuellen Job, auch dafür dass wir mit uns selbst ins Reine kommen und dauerhaft ein erfülltes Leben führen können.

Das "Frustjobkillerbuch" von Volker Kitz und Manuel Tusch ist eines der empfehlenswertesten Bücher, die ich zum Thema Karriere in den letzten Jahren gelesen habe. Das Buch bringt im ersten Teil wichtige Hinweise zur Selbstreflexion, im zweiten kann jeder Leser in Übungen testen, inwieweit sein aktueller Job doch zu ihm passt.

Was das Buch sympathisch macht: Den Autoren ist klar, dass nicht jeder auf Biegen und Brechen in seinem Job bleiben muss. Aber wir bei access können es in vielen Tausenden Fällen auch bestätigen: Es ist eine Illusion, dass beim nächsten Job alles besser wird. Die Flucht aus dem aktuellen Job lohnt häufig nicht. Es zahlt sich daher aus, über die Aufforderung der Autoren nachzudenken, zunächst in die aktuelle Job-Beziehung zu investieren.

Viel Erfolg bei Ihrer Karrieregestaltung in schwierigen Zeiten!
Ihr Jens Ohle


Jens Ohle, Geschäftsführer access KellyOCG GmbH
Feedback: redaktion@access.de






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